Berlin hat die meisten Street-Food-Anbieter, bei der Dichte liegt jedoch überraschend Oberhausen vorn. Eine Auswertung von 28 deutschen Städten zeigt, welche Orte besonders viele Anbieter pro Einwohner haben. In absoluten Zahlen dominieren Deutschlands Metropolen. Gemessen an der Einwohnerzahl sieht die Rangliste jedoch überraschend anders aus: Oberhausen liegt deutlich vor Düsseldorf und Lübeck. Die Auswertung zeigt zugleich, warum Pro-Kopf-Rankings mit Vorsicht betrachtet werden müssen.
Berlin gilt als kulinarischer Schmelztiegel, Hamburg ist für seine lebendige Gastroszene bekannt und München zieht regelmäßig große Besucherströme an. Die höchste Dichte an Street-Food-Anbietern findet sich laut einer Auswertung von Listflix jedoch in keiner dieser Metropolen, sondern in Oberhausen. Eine mögliche Erklärung könnte die ausgeprägte Gastronomieszene rund um das Westfield Centro sein. Das Einkaufszentrum führt aktuell 58 Restaurants, Cafés und Snackanbieter auf seiner Gastronomieübersicht. Ob und in welchem Umfang diese Ballung tatsächlich zur hohen Street-Food-Dichte beiträgt, lässt sich aus den vorliegenden Daten allerdings nicht ableiten.
In der nordrhein-westfälischen Stadt kommen neun Street-Food-Anbieter auf 213.646 Einwohner. Das entspricht 4,21 Anbietern je 100.000 Einwohner und damit dem höchsten Wert unter den 28 untersuchten Städten. Auf dem zweiten Platz folgt Düsseldorf. Dort wurden 22 Anbieter bei 618.685 Einwohnern gezählt, was einer Dichte von 3,56 entspricht. Lübeck belegt mit sieben Anbietern und einem Wert von 3,23 pro 100.000 Einwohner den dritten Rang. Dahinter folgen Nürnberg mit 3,21 und Frankfurt am Main mit 3,04 Anbietern.
Metropolen führen bei der absoluten Zahl
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn nicht die Dichte, sondern die reine Zahl der Anbieter betrachtet wird. Hier liegt Berlin mit 65 Street-Food-Anbietern klar vorn. Es folgen Hamburg mit 49, München mit 40, Köln mit 30 sowie Frankfurt am Main mit 23 Anbietern. Wegen ihrer großen Bevölkerungszahl landen diese Städte im Pro-Kopf-Ranking jedoch weiter hinten. Berlin erreicht mit 1,76 Anbietern pro 100.000 Einwohner lediglich Platz 17. Hamburg belegt Rang zehn, München Rang acht und Köln Rang sieben.
Oberhausen zeigt den umgekehrten Effekt: Neun Anbieter reichen dort für Platz eins, weil die Einwohnerzahl deutlich niedriger liegt. Damit verweist die Stadt selbst Berlin auf einen hinteren Rang, obwohl die Hauptstadt mehr als siebenmal so viele Anbieter zählt. „Das Ranking zeigt, dass Street-Food längst kein reines Großstadtphänomen mehr ist“, sagt Maximilian Wieser, Branchenanalyst bei Listflix. Die hohe Dichte in Oberhausen könne auf eine besonders aktive lokale Anbieterszene hindeuten.
Große Unterschiede zwischen den Städten
Insgesamt wurden in den untersuchten Städten 386 Street-Food-Anbieter bei knapp 17,95 Millionen Einwohnern erfasst. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Durchschnitt von 2,15 Anbietern pro 100.000 Einwohner. Der Median liegt bei 1,96: In der Hälfte der Städte beträgt die Dichte also höchstens knapp zwei Anbieter. Zwischen dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht besteht ein erheblicher Abstand. Hannover kommt mit fünf Anbietern auf 522.131 Einwohner und erreicht damit lediglich 0,96 Anbieter pro 100.000 Einwohner. Die Dichte in Oberhausen ist somit etwa 4,4-mal so hoch.
Ebenfalls am unteren Ende der Tabelle liegen Bremen mit 1,02, Dresden mit 1,24, Münster mit 1,30 sowie Leipzig mit 1,31 Anbietern pro 100.000 Einwohner. Insgesamt überschreiten 13 der 28 Städte die Marke von zwei Anbietern. Ein eindeutiges geografisches Muster lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten. Nordrhein-Westfalen ist mit Oberhausen, Düsseldorf und Köln gleich dreimal unter den ersten zehn vertreten. Gleichzeitig liegen mit Bochum, Essen, Mönchengladbach und Dortmund mehrere weitere Städte des Bundeslandes in der unteren Hälfte. Auch zwischen Nord und Süd zeigt sich kein klarer Gegensatz: Lübeck erreicht Platz drei, während Hannover und Bremen die letzten beiden Plätze belegen.
Pro-Kopf-Ranglisten reagieren empfindlich
Die Ergebnisse sollten dennoch nicht als abschließendes Urteil über die Qualität oder Vielfalt der örtlichen Street-Food-Szene verstanden werden. Besonders bei kleineren Städten kann bereits ein zusätzlicher Anbieter die Platzierung deutlich verändern. In Oberhausen würde ein einzelner Betrieb die Quote um rund 0,47 Punkte verschieben. In Berlin verändert ein Anbieter den Wert dagegen nur um etwa 0,03 Punkte.
Hinzu kommt, dass aus den vorliegenden Daten nicht hervorgeht, zu welchem Zeitpunkt die Anbieter erfasst wurden, welche Betriebe genau als Street-Food-Anbieter gelten und nach welchen Kriterien die 28 Städte ausgewählt wurden. Auch saisonale Foodtrucks, mobile Caterer oder nur bei Veranstaltungen aktive Stände könnten das Ergebnis beeinflussen. Die Rangliste liefert deshalb vor allem eine Momentaufnahme. Sie macht aber sichtbar, dass eine ausgeprägte Street-Food-Szene nicht allein von der Größe oder dem Ruf einer Stadt abhängt. Gemessen an der Einwohnerzahl können auch Städte abseits der großen Metropolen eine bemerkenswert hohe Anbieterdichte erreichen.
Quelle: Listflix, 24.08.2026
Bild: pixabay/Engin_Akyurt
