Rolling Pin zeichnete den langjährigen Vendôme-Küchenchef mit dem Lifetime Achievement Award aus. Wissler war es, der die deutsche Spitzengastronomie über viele Jahre entscheidend prägte. Im Saal erhielt er minutenlange Standing Ovations. Für ihn schloss sich damit ein besonderer Kreis: Der erste Rolling Pin Award wurde auf Schloss Bensberg verliehen, an dem Ort, der eng mit seiner kulinarischen Laufbahn verbunden ist.
Joachim Wissler erhält den Lifetime Achievement Award 2026
Es ist ein Moment, in dem selbst Joachim Wissler die Worte fehlen. Bei den Rolling Pin Awards 2026 wurde der Spitzenkoch am 28. September für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Den Lifetime Achievement Award nahm Wissler nach einer Laudatio von Tim Raue sichtlich bewegt entgegen. Was anschließend folgte, war eine der emotionalsten Szenen des Abends: Der gesamte Saal erhob sich und spendete Joachim Wissler minutenlang Standing Ovations. Der Spitzenkoch zeigte sich erkennlich beeindruckt, sichtlich gerührt und den Tränen nahe.
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Mir fehlen die Worte“, sagte Wissler unmittelbar nach der Würdigung. Für einen Koch, dessen beruflicher Weg über Jahrzehnte von Konsequenz, Ehrgeiz und klaren kulinarischen Vorstellungen geprägt war, war es ein ungewöhnlich persönlicher Moment.
Tim Raue würdigt Joachim Wisslers Lebenswerk
Tim Raue würdigte in seiner Laudatio einen Kollegen, der die deutsche Spitzengastronomie nachhaltig mitgeprägt hat. Wissler stand 25 Jahre lang an der Spitze des Restaurants Vendôme im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg. Von der Eröffnung im Jahr 2000 an entwickelte er das Haus zu einer der international renommierten Adressen der deutschen Fine-Dining-Szene und wurde zu einem der prägenden Vertreter der sogenannten „Neuen Deutschen Schule“.
Joachim Wissler: 45 Jahre am Herd
Wisslers Karriere begann lange vor dem Vendôme. Nach seiner Ausbildung im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn folgten Stationen im Badener Land und im Rheingau, wo er 1995 erstmals mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Mit dem Wechsel nach Bensberg begann schließlich das Kapitel, das seine Karriere entscheidend prägen sollte.
Bereits 2001 erhielt das Vendôme unter seiner Leitung den ersten Michelin-Stern, 2002 folgte der zweite. Seit 2004 stand das Restaurant über viele Jahre für die Höchstbewertung von drei Michelin-Sternen. Hinzu kamen zahlreiche weitere Auszeichnungen und Spitzenplatzierungen in nationalen und internationalen Restaurantführern.
Wissler wurde damit zu einer der zentralen Figuren einer Generation deutscher Spitzenköche, die die Küche des Landes neu definierten. Seine Küche verband präzises Handwerk mit eigenständigen Ideen und einem ausgeprägten Anspruch an Produktqualität und Kreativität.
Joachim Wisslers persönliches Credo
In seiner Dankesrede machte Wissler deutlich, worauf er seinen beruflichen Weg zurückführt. „Der Weg geht immer weiter, wenn man an sich glaubt und wenn man natürlich hart an sich arbeitet“, sagte er. Sein persönliches Credo formulierte er anschließend in wenigen Worten: „An sich glauben, bescheiden sein, hart arbeiten und kreativ sein.“ Dabei sprach Wissler nicht nur über Auszeichnungen und gastronomische Erfolge. Er blickte auch auf die persönliche Seite eines Berufs zurück, der über Jahrzehnte sein Leben bestimmte. Er sei in seinem Beruf „so glücklich gewesen“, sagte der Spitzenkoch – auch wenn dieser wesentlich mehr Zeit in Anspruch genommen habe, als er seiner Familie widmen konnte.
„Das Wohnzimmer ist die Küche“, beschrieb Wissler rückblickend die Realität seiner Generation von Spitzenköchen. Zugleich machte er deutlich, dass sich die Arbeitswelt in der Gastronomie verändert habe: „Das hat sich heute geändert. Das ist auch gut so.” Entscheidend sei für ihn immer gewesen, aus Überzeugung zu arbeiten. „Ich war keine Stunde in meinem Betrieb, wo ich es gehasst habe“, sagte Wissler. Gerade dieser Satz gibt seiner Rede eine persönliche Dimension: Hinter den Sternen und Auszeichnungen steht für ihn vor allem die Freude am Beruf.
Abschied vom Pass: Joachim Wissler übernimmt neue Aufgabe im Management
Ende Oktober 2025 hatte Wissler nach insgesamt 45 Jahren als Koch und 25 Jahren als Küchenchef des Vendôme die operative Leitung des Restaurants abgegeben. Sein Nachfolger wurde Dennis Kuckuck, ein langjähriger Vertrauter und Wegbegleiter. Wissler blieb der Althoff-Gruppe jedoch erhalten. Seit November 2025 bringt er seine Erfahrung in übergeordneter Funktion in die kulinarische Entwicklung der Althoff Hotels ein. Damit endete zwar seine Ära als aktiver Küchenchef des Vendôme, nicht aber sein Einfluss auf die gastronomische Entwicklung der Gruppe.
Die Auszeichnung bei den Rolling Pin Awards fällt damit in eine besondere Phase seiner Karriere: Wissler steht nicht mehr täglich am Herd des Restaurants, blickt aber auf ein Vierteljahrhundert zurück, in dem er das Vendôme und die deutsche Spitzengastronomie entscheidend mitgeprägt hat. Seine Dankesrede machte zugleich deutlich, dass der Ruhestand vom Herd für ihn kein Ende bedeutet. „Der Weg geht immer weiter“, sagte Wissler. Ein Satz, der nach 45 Jahren am Herd weniger wie ein Rückblick als wie ein Ausblick klingt.
Persönliche Erinnerungen an Joachim Wissler
Joachim Wissler wiederzusehen, war für mich bei den Rolling Pin Awards ein besonderes Erlebnis und der Höhepunkt des Abends. Noch wenige Monate vor der Übergabe des Staffelstabs im Vendôme an Dennis Kuckuck, der damals noch Sous Chef war, durfte ich ihn persönlich interviewen und anschließend seine außergewöhnliche Küche genießen. Das „Wissler Pur Menü“ beeindruckte unter anderem mit in Bienenwachs gereiftem Zander, Sonnenschwein im Kreuzkümmelsaft, Münsterländer Hasenrücken und Kyushu Wagyu Rind mit getrüffelter Sauce Béarnaise. Zum Abschluss ein Passionsfruchtsorbet mit Moosbeeren.
Trotz des erheblichen Mehraufwandes in der Küche war das gesamte Menü ausschließlich für mich gluten- und laktosefrei zubereitet. Offenbar hatte sich Wissker im Vorfeld über meine Person informiert und kannte mein Geburtsjahr 1971. Als weitere außergewöhnliche Geste der Wertschätzung durfte ich einen Rotwein aus genau diesem Jahr probieren. Ein bis heute unvergesslicher Abend und eine besondere Erinnerung an einen Koch mit Leidenschaft und Respekt gegenüber dem Gast.
Umso schöner war es, bei der Ehrung seines Lebenswerkes persönlich dabei zu sein. Dies nur wenige Meter entfernt. Ein kleines Augenzwinkern deutete an, mich wieder erkannt zu haben. Ein Moment, der dadurch noch emotionaler wurde.
Autor: Frank Baranowski, 28.09.2026, aktualisiert am 03.10.2026
Bilder: Redaktion/Frank Baranowski
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