Die Rhumequelle bei Rhumspringe: ein Naturspektakel besonderer Art
Die Rhumequelle bei Rhumspringe: ein Naturspektakel besonderer Art

Faszination Rhumequelle erleben

Zwischen Duderstadt und Herzberg am Südwestrand des Harzes liegt Rhumspringe. Dort entspringt in idyllischer Lage eine der größten und wasserreichsten Karst-Quellen Europas, die Rhumequelle. Sie ist eine typische Karstquelle und mit einem durchschnittlichen Wasserausstoß von 2.500 Litern pro Sekunde (max. 5.500 Liter) die drittgrößte Quelle Europas. Wollte man mit Kesselwaggons der Bundesbahn diese Wassermassen abtransportieren, so hätte der Güterzug eine Länge von 300 km, und das jeden Tag. Seit 1978 wird etwa ein Prozent des Quellwassers zu Trinkwasser aufbereitet, mit dem 15.000 Menschen versorgt werden.

Die Rhumequelle ist quasi ein „Überlaufventil“ eines riesigen unterirdischen Wasserspeichers im Karstgestein des Harzes. Bereits 1913 fanden erste Versuche statt, um die Fließwege des Wassers zu erforschen. Dabei gaben die Forscher in etwa sechs bis neun Kilometer entfernte Bereiche der Flüsse Oder und Sieber Farbstoffe. Etwa 30 Stunden später tauchten diese Farbstoffe in der Rhumequelle wieder auf. Dies zeigt, dass das Wasser aus diesen beiden Fließgewässern unterirdisch zur Rhumequelle gelangt.

Einzigartige Naturlandschaft Rhumequelle

Die Rhumequelle liegt in einem etwa 30 Meter langen und 20 Meter breiten Teich, an dessen Oberfläche sich das Quellwasser durch leichte Wellenbewegungen bemerkbar macht. Besucher aus nah und fern zieht es in allen Jahreszeiten zum Quelltopf mit dem blau-grün schimmernden Wasser. Die Wassertemperatur beträgt konstant 8 bis 9 °C und friert im Winter nie ein. Die Quelle gilt als eines der größten Naturwunder Europas, und bietet mit dem umgrenzenden Quellwald ein einmaliges Rückzugsgebiet für teilweise vom Aussterben bedrohte Tierarten. Vielleicht entdecken Sie bei Ihrem Spaziergang um die Rhumequelle das scheue Blesshuhn, den seltenen Pirol Eisvogel oder eine Wasseramsel.

Rundwanderweg um die Rhumequelle

1999 sanierte die Gemeinde den Quellbereich und legte Wege und eine Aussichtsplattform an. Besucher können um den Quellteich herumwandern. Zahlreiche Hinweisschilder am Rande erläutern die Besonderheiten dieses einmaligen Biotops und die Geschichte des Ortes. Nehmen Sie sich eine kleine Auszeit vom Alltag und genießen dieses idyllische Fleckchen. Die Rhumequelle erwartet sie und lädt zum Träumen ein. Die Mitnahme Ihres Vierbeiners ist möglich. Hunde sollten aber an die Leine genommen werden.

Die Rhumequelle, von je her ein mythischer Ort

Quellen sind seit alters her mystische Orte und Kultstätten. Dies tritt in besonderem Maße auch auf die Rhumequelle zu. Dies belegen archäologische Funde, die anlässlich der Renaturierung der Karstquelle 1999 gemacht wurden. So fanden sich Hinweise, dass schon Jäger und Sammler der Steinzeit dort beheimatet waren. So fanden die Archäologen u. a. Pfeilspitzen aus Feuerstein und Keramikreste aus der Kultur der Bandkeramik (Zeit um 5000 bis 4200 v. Chr.). Weitere Funde belegen den Zeitraum bis ins Spätmittelalter. Aus der Neuzeit stammen zahlreiche Münzen aus verschiedenen europäischen Ländern. Noch heute werfen viele Menschen eine Münze in die Quelle, was unschwer unter der Brücke zu erkennen ist.

NS-Planungen für die Rhumequelle: das Schickert-Werk Rhumspringe

Wegen der großen Wassermengen geriet die Rhumequelle schon im Dezember 1938 in den Fokus der NS-Rüstungsindustrie. So beabsichtigte das Reich, auf Staatskosten durch die Firma Schickert nicht nur ein Werk am nördlichen Ortsausgang von Bad Lauterberg zur Herstellung von Wasserstoffperoxid zu errichten, sondern auch ein aus fünf weiteren Hallen bestehende Produktionsanlage in Rhumspringe. Dieses zweite Werk sollte mit dem Wasser der Rhumequelle gespeist werden, doch die Planungen zerschlugen sich zunächst.

Ende Januar 1941 ging in Bad Lauterberg die erste Halle des Schickert-Werkes zur Erzeugung von 35%igem Wasserstoffperoxyd in Betrieb; die vierte im November 1942. Offenbar war der Bedarf soweit gestiegen, dass die Marine am 18. Juni 1942 anordnete, die Bauarbeiten für das Werk Rhumspringe wieder aufzunehmen. Dies allerdings in kleinerem Umfang. So wurden die Pläne auf drei Hallen mit den entsprechenden Hilfsgebäude zusammengestrichen.

Die Produktion in Halle 1 sollte am 1. Mai 1945, in Halle 2 am 1. September 1945 und in Halle 3 am 1. März 1946 aufgenommen werden. Obwohl Ende Dezember 1944 über 1.300 Arbeitskräfte auf der Baustelle in Rhumspringe tätig waren, ließen sich diese Zeitvorgaben nicht einhalten. Bei Kriegsende waren von Halle 1 gerade mal die Fundamente gegossen. Die Arbeiten am zweiten Produktionsgebäude waren am weitesten fortgeschritten, so dass Schickert im Frühjahr 1945 mit dem Einbau des Maschinenparks begann. Das Werk, das das modernste seiner Art gewesen wäre, nahm die Produktion allerdings nicht mehr auf. Die Gebäude blieben erhalten und dienen heute als Gewerbefläche.

Parkmöglichkeiten an der Rhumequelle

Direkt an der Landesstraße 530 in Richtung Pöhlde finden Besucher hinreichend Platz, ihr Fahrzeug abzustellen und dort zu parken. Es sind dann nur wenige Meter zu Fuß auf geradem Weg zur Quelle zurückzulegen. Der Parkplatz ist gebührenfrei und zeitlich unbegrenzt nutzbar.

Quelle: Beitrag der Redaktion von HOGA-Presse.
Bildquelle: Frank Baranowski