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Für Fotografen und Geschichtsenthusiasten

Zeitgeschichte pur: Kontrollpunkt Dreilinden und Autobahnbrücke Teltowkanal

Besondere Orte lassen Fotografenherzen höherschlagen. Ein solcher außergewöhnlicher und verborgener Platz („hidden gem“), der sich besonders für ausgefallene Fotoaufnahmen eignet, finden Interessierte in Bereich des ehemaligen Kontrollpunktes Dreilinden und der Autobahnbrücke Teltowkanal. Ein Ort, an dem deutsch-deutsche Geschichte geschrieben wurde. Aber nicht nur die Historie ist einzigartig, sondern auch die dortigen Fotomotive. Nicht nur deshalb ist der Fotospot ein Ausflug wert.

Grenze zwischen Berlin und seinem Umland

Das „Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ vom 27. April 1920, auch als sogenanntes „Groß-Berlin-Gesetz“ bekannt, führte zu den noch heute in großen Teilen bestehenden Grenzen zwischen Berlin und seinem Umland. Bei der Streckenführung des 1940 für den Verkehr freigegebenen Autobahn-Zubringers der Reichsautobahn 51 (heutige A 115) zwischen dem Berliner Autobahn-Ring (heutige A 10) und der bereits 1921 eröffneten AVUS, spielten die Stadt- und Kreisgrenzen noch keinerlei Rolle.

Eine vollkommen neue Relevanz erhielt die Grenzziehung zwischen Berlin und seinem Umland 1944, als die damaligen Alliierten des zweiten Weltkrieges bei den Festlegungen ihrer Besatzungszonen häufig einfach bestehende Landes-, Kreis- und Stadtgrenzen übernahmen. Im Fall der Reichsautobahn 51 bedeutete dies, dass die Autobahn bei der zum amerikanischen Sektor gehörenden Siedlung Albrechts Teerofen, südlich des Teltowkanals, erstmalig vom zur sowjetischen Besatzungszone gehörenden Brandenburg, in den amerikanischen Sektor wechselte.

Kontrollpunkt Reichsautobahn-Raststätte Dreilinden

Außerdem wurde die alte Reichsautobahn-Raststätte Dreilinden (ein Gebäude existiert heute noch) als Kontrollpunkt benutzt, dazu wurden insbesondere auf dem Mittelstreifen Baracken und noch heute sichtbare Fahnenmasten errichtet. Nach diesem Kontrollpunkt wechselte die Autobahn auf der Mitte der Autobahnbrücke über den Teltow-Kanal zurück in die sowjetische Besatzungszone, bzw. ab 1949 in die DDR. Im weiteren Verlauf folgte die Autobahn dann auf DDR-Seite der Grenze zu West-Berlin um dann nach etwa drei Kilometern bei der Königswegbrücke nach West-Berlin abzubiegen und dabei erneut die Grenze zu überschreiten.

Abriegelung der deutsch-deutschen Grenze

Zwischen 1946 und 1956 wurde durch die DDR die Grenze zur Bundesrepublik und nach West-Berlin schrittweise abgeriegelt, so dass am Ende nur noch in Berlin die innerstädtische Grenze zwischen Ost- und West-Berlin offen war. Am 13. August 1961 wurde mit Rückendeckung der Sowjetunion auch diese letzte offene Ost-West-Verbindung durch die DDR gekappt und im wahrsten Sinne des Wortes „zugemauert“. Viele Menschen in der DDR versuchten nun über verschiedenste Wege in die Bundesrepublik und nach West-Berlin zu fliehen, daraus entwickelte sich ein aberwitziger und vielfach tödlicher Wettlauf zwischen den Flüchtlingen und den Grenztruppen der DDR, welche mit immer neuen baulichen Maßnahmen versuchten, die Grenze noch undurchlässiger zu machen.

Verlegung der Autobahn wegen Grenzsicherung

Im Zuge dieser baulichen Maßnahmen verlegt die DDR bis Oktober 1969 die Autobahn zwischen dem Waldfriedhof und dem finalen Wechsel an der Königswegbrücke nach West-Berlin, in einem weiten Bogen nach Osten. Dafür wurde die am 13. August 1961 unterbrochene S-Bahnverbindung Berlin-Wannsee – Stahnsdorf (im Volksmund „Friedhofsbahn“) baulich gekappt, eine neue Autobahnbrücke über den Teltow-Kanal gebaut und eine vollkommen neue großflächige Grenz-Übergangs-Stelle (GÜST) bei Kleinmachnow errichtet, diese trug den Namen „Drewitz“. Das ganze Projekt verschlang etwa 50 Millionen Ost-Mark. Heute führt die Autobahn A 115 auf direktem Weg an der ehemaligen „GÜST“ vorbei und auf der Fläche der „GÜST“ besteht mit dem „Europarc Dreilinden“ ein Gewerbegebiet und einem sehenswertem kleinen Museum zur DDR-Grenzgeschichte.

Checkpoint Bravo, Erinnerungs- und Begegnungsstätte Grenzkontrollpunkt Drewitz-Dreilinden

Auf West-Berliner Seite wurde in einer Senke direkt an der Königswegbrücke eines neuen Grenzkontrollpunktes errichtet, welcher den alten Namen „Dreilinden“ weiterführte, allerdings mit der Ergänzung „Drewitz-Dreilinden“. Noch einige Gebäude, einschließlich eines Brücken-Gebäudes über die A 115, das die drei West-Alliierten mit ihrem „Checkpoint Bravo“ belegten, sind heute noch existent.

Der alte Kontrollpunkt Dreilinden bei Albrechts Teerofen, der stillgelegte Autobahnabschnitt und die alte Autobahnbrücke über den Teltow-Kanal fielen nach 1969 für zwanzig Jahre in einen „Dornröschenschlaf“, lediglich die Angehörigen der DDR-Grenztruppen konnten sich auf dem stillgelegten Autobahnabschnitt bewegen. Die alte Autobahnbrücke über den Teltowkanal wurde von der DDR auf der Brückenmitte mit Beton-Elementen vollständig gesperrt.

1971 Abriss des alten Kontrollpunkts „Dreilinden“ bei Albrechts Teerofen

Im Frühjahr 1971 wurden dann die Gebäude des alten Kontrollpunkts „Dreilinden“ bei Albrechts Teerofen auf West-Berliner-Gebiet abgerissen, lediglich das nördlich der Fahrbahn stehende Gebäude der ehemaligen Raststätte Dreilinden wurde vom Abriss verschont. Durch DDR-Grenztruppen von drei Seiten bewacht, entstand auf dem Gelände ein Campingplatz und der Verein „Berliner Bogenschützen e. V.“ wurde ab dem 01.01.1970 Pächter.

1996 wurde der stillgelegte Autobahnabschnitt mit Leitplanken und Fahrbahnmarkierungen versehen, es ging dabei aber nicht um eine Wiederfreigabe für den Verkehr, sondern um die Nutzung für Filmaufnahmen. Der Sender RTL drehte  auf der Strecke immer wieder Szenen für die Serie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“. Zwischen 1999 und 2000 wurde dann auf dem Abschnitt die Fahrbahndecke entfernt und der Bereich renaturiert. Heute fällt dort nur noch die große Eisenbahnbrücke ins Auge, welche nahezu vollständig mit Grafitt bedeckt ist. 2019 wurde dann auch die Eisenbahnbrücke der „Friedhofsbahn“ über den Teltow-Kanal abgerissen.

Fotospot und Fotomotive im Bereich ehemalige Autobahnbrücke Teltowkanal

Der Bau der alten Raststätte „Dreilinden“, der bis heute nicht unter Denkmalschutz steht, verfällt zusehends. Aber gerade deshalb versprüht das Objekt mit seiner wechselvollen Geschichte seinen Charme. Als Lost PLace vergangener Zeiten sollte das teilweise baufällige Gebäude auf keiner Fotoliste fehlen. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis auch dieses letzte Zeugnis deutsch-deutscher Vergangenheit verschwunden ist. Schon heute ist die Überschrift „Raststätte Drelinden“ nur noch schemenhaft zu erkennen.

Impressionen rund um den Fotospot „Autobahnbrücke Teltowkanal“ (September 2021)

Ein weiteres „must see“ ist die alte Autobahnbrücke über den Teltow-Kanal. Auf der Mitte der Brücke verläuft unverändert die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg, auch wenn die gesamte Brücke der Stadt Berlin gehört. Zudem verläuft über die Brücke der „Berliner Mauerweg“, ein weiteres Highlight. Nicht nur die Brücke über den Teltowkanal selbst, sondern die alten Fahrbahnbeschriftungen auf dem alten Asphalt „PKW, „LKW“ und „BUS“ – die zwar verwitter, aber noch immer teilweise lesbar sind – sind besondere, einzigartige Fotomotive, die jedes Fotografen-Herz höher schlagen lassen. Im Internet ist die alte Autobahnbrücke auch unter dem Namen „Kremnitzbrücke“ zu finden.

Ebenso ist die stillgelgte Eisenbahnbrücke, nahezu vollständig mit Grafitti bedeckt, ein weiteres Foto-Highlight.

Text: Jörg Neumann
Bilder: Redaktion