(hoga-presse) Dagmar Ensch-Engel: Gefahr für Saarländer durch antibiotikaresistente Keime in Lebensmitteln aufklären und verringern. Ein oftmals unterschätztes und in der Öffentlichkeit kaum diskutiertes Risiko.

Die Linksfraktion im Saarländischen Landtag will von der Landesregierung wissen, welche Gefahr für die Saarländerinnen und Saarländer von Lebensmitten mit antibiotikaresistenten Keimen ausgeht und was unternommen wird, um die Verbraucher davor zu schützen. Die verbraucherpolitische Sprecherin Dagmar Ensch-Engel hat dazu nun eine entsprechende Anfrage an die Regierung gestellt (Drucksache 15/1235).

Im Januar hatte eine Studie der Umweltorganisation BUND ergeben, dass neun von zehn Proben von abgepacktem Putenfleisch bei Discountern mit den Keimen belastet waren. „Wir hätten erwartet, dass die Landesregierung nach dieser bundesweit beachteten Studie selbst aktiv wird. Allerdings ist nichts passiert. Wir wollen daher jetzt wissen, in welchem Umfang in den letzten Jahren im Saarland Fleischproben auf antibiotikaresistente Bakterien untersucht worden sind. Und natürlich stellt sich grundsätzlich die Frage nach dem Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Laut BUND werden hier jährlich 1.450 Tonnen Antibiotika für 800 Millionen Euro eingesetzt.

Also viel zu oft. Häufig schlicht zur Verhütung von Infektionen, zur ungezielten Steigerung der Tiergesundheit oder auf Verdacht. Das ist unverantwortlich. Stattdessen sollte an die Ursachen von erhöhten Infektionsrisiken herangegangen werden. Etwa Stall-Klima, Stall-Hygiene oder zu große Tierdichte – also viel zu viel Tiere auf zu engem Raum. Keime, die mit Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können, sind eine der größten Gesundheitsgefahren. Deshalb muss gehandelt werden.“

Martin Sommer
Stellvertretender Pressesprecher
Fraktion DIE LINKE im Landtag des Saarlandes
Franz-Josef-Röder-Str. 7
66119 Saarbrücken
E-Mail:m.sommer@landtag-saar.de

Quelle: Pressemitteilung Fraktion DIE LINKE im Landtag des Saarlandes.
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Zum Hintergrund und aktuelle Ergebnisse (Ergänzung Januar 2019):

Multiresistente Erreger in Lebensmitteln: viele Fleischprodukte sind belastet

Multiresistente Bakterien sind vor allem als Verursacher von Krankenhausinfektionen gefürchtet. Sie kommen aber auch in Lebensmitteln vor. Eine Forschungs-Initiative nimmt die gefährlichen Erreger aus dem Supermarkt ins Visier. Der Begriff „multiresistente Erreger“ taucht seit einigen Jahren immer öfter in den Medien auf, meist verbunden mit Krankenhausinfektionen. Bei diesen Erregern handelt es sich um Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Die Resistenzen führen dazu, dass Infektionen mit diesen Bakterien nur schwer oder gar nicht behandelt werden können. Die Folgen für die Betroffenen sind oftmals schwer. Nicht selten verlaufen solche Infektionen sogar tödlich.

Neue Forschungsansätze erforderlich

Es besteht deshalb ein hoher Bedarf an neuen Produkten und Konzepten, um neue Resistenzen zu vermeiden, die vorhandenen Resistenzen zu umgehen und deren Ausbreitung einzudämmen. Hierzu unterstützt das Bundesforschungsministerium das Modellvorhaben „HICARE – Aktionsbündnis gegen multiresistente Bakterien“. HICARE ist eine von insgesamt fünf geförderten „Gesundheitsregionen der Zukunft“ in Deutschland. Das Projekt ist daher auch unter dem Synonym „Gesundheitsregion Ostseeküste“ bekannt. Das Ziel von HICARE ist es zu verhindern, dass sich multiresistente Erreger weiter ausbreiten. Hierzu werden unter anderem standardisierte Interventionen entwickelt, die unmittelbar in das Gesundheitssystem überführt werden sollen. Diese regional im äußersten Nordosten von Deutschland entwickelten Interventionen im Kampf gegen multiresistente Erreger können Vorbild für den Rest der Republik sein und anschließend deutschlandweit umgesetzt werden.

Lebensmittel im Visier

In bis zu jeder zweiten Geflügel- und Schweinefleischprobe wurden multiresistente Erreger nachgewiesen. In der Gesundheitsregion HICARE beleuchten die Forscherinnen und Forscher den Umgang mit multiresistenten Erregern stets aus mehreren Richtungen. Dass ein veränderter Blickwinkel schnell neue Erkenntnisse an den Tag bringen kann, zeigt eine aktuelle Studie der Universitätsmedizin Greifswald. Die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Ivo Steinmetz am Friedrich Löffler Institut für Medizinische Mikrobiologie hat sich mit multiresistenten Erregern in Lebensmitteln beschäftigt. „Zwar ist das Thema ‚Antibiotika in der Tierzucht und in Lebensmitteln‘ nicht gänzlich neu. Die Rolle von Nahrungsmittelketten bei der Verbreitung von multiresistenten Bakterien ist aber bisher unzureichend untersucht und möglicherweise unterschätzt worden“, sagt Steinmetz. So gibt es bislang kaum Erkenntnisse, welche Übertragungsmöglichkeiten und Gefahren hier für die Menschen bestehen.

Resistente Bakterien in Fleischprodukten

Die Arbeitsgruppe um Steinmetz befasst sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Thema. In früheren Studien wurde eine zum Teil erhebliche Belastung von Hühnerfleisch mit multiresistenten Erregern wissenschaftlich dokumentiert. „In unserem laufenden Projekt haben wir das Spektrum auf weitere handelsübliche Fleischprodukte ausgedehnt, etwa auf Puten- und Schweinefleisch“, erklärt Steinmetz. Für die Studie wurden 400 Geflügel- und Schweinefleischproben in Berlin und Greifswald gekauft und im Labor untersucht. Hierbei handelte es sich sowohl um abgepackte wie auch um frische Waren. Das Ergebnis hat auch Steinmetz überrascht: „In bis zu jeder zweiten Probe konnten wir unmittelbar nach dem Kauf multiresistente Erreger nachweisen. Das ist mehr, als wir erwartet haben.“ Aber was bedeutet das nun für den Verbraucher? Besteht hier eine akute Gefahr? Hier relativiert der Wissenschaftler: „Wir wissen nicht, wie hoch die Übertragungswahrscheinlichkeit von Bakterien über kontaminierte Lebensmittel auf den Menschen ist. Auch die medizinische Bedeutung unseres Befundes ist bislang nicht klar. Das ist ein wichtiges Thema laufender Untersuchungen.“ Erwiesen ist damit vorerst nur, dass entsprechende Keime in den Produkten vorhanden sind. Dennoch ist dies eine äußerst wichtige Erkenntnis, denn sie macht eines ganz klar: Die Lebensmittelkette ist bei der Verbreitung von multiresistenten Erregern bislang nicht ausreichend im Fokus der Forschung gewesen. „Dies gilt nicht nur für Fleischprodukte, sondern auch für andere Nahrungsmittel, etwa Gemüse. Hier brauchen wir unbedingt weitere Erkenntnisse, um die Sachlage bewerten zu können“, resümiert Steinmetz.

Quelle: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/multiresistente-erreger-in-lebensmitteln-viele-fleischprodukte-sind-belastet-2814.php
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