Industriegeschichte: Loks, Traktoren und Dieselmotoren aus Nordhausen

Das IFA-Museum Nordhausen – ein Erlebnis- und Urlaubsspaß für Groß und Klein

Sie suchen nach einem geeigneten Ausflugsziel in der Region Nordhausen, das nicht nur bei schönem Wetter, sondern auch im Winter oder bei schlechtem Wetter besucht werden kann? Dann ist das Ifa-Museum in Nordhausen genau der richtige Ort für Sie. Nicht nur für technikbegeisterte Männer, sondern auch für Kinder und die ganze Familie. Das Museum ist visuell gestaltet und lädt zum Mitmachen und Anfassen an. Erfahren Sie mehr über die Meilensteine des Standortes und die zahlreichen Etappen vom Lok- zum Traktorenhersteller bis hin zum größten DDR-Produzenten von Diesel-Motoren.

Erinnerung an Maschinenbautradition im Südharz

Wie kaum ein anderer Ort reflektiert der IFA-Standort in Nordhausen die Geschichte des 20. Jahrhunderts, mit all ihren Facetten. Am Originalstandort, in den ehemaligen Räumen des Motorenwerkes, präsentieren sich alte Lokomotiven, einzigartige Traktoren aus den 1950/60er Jahren – teils Unikate – und eine Vielzahl von Motoren. Die Exponate sind aufwendig rekonstruiert und zumeist noch funktionstüchtig. Schnittmodelle zeigen Aufbau und Funktion von Traktoren und Motoren aus Nordhäuser Produktion. Die teils komplexen technischen Hintergründe werden so dem Besucher anschaulich und verständlich dargestellt. Die Art der Präsentation ist besonders. Exponate aus den verschiedenen Epochen, auch aus der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, leiten den Besucher quasi durch die Ausstellung.

Im Zentrum des zweiten Ausstellungsbereichs steht ein Modell des IFA-Motorenwerkes, das den Gebäudebestand 1988 nachbildet. Historische Fotos aus allen Etappen machen die Industriegeschichte noch greifbarer. Das Ifa-Museum präsentiert so ein sehr ausgewogenes Konzept. Besucher merken gar nicht, wie schnell

Die Geschichte des Industriestandortes Ifa-Werk Nordhausen

Als das IFA-Motorenwerk Nordhausen 1992 seine Werkstore für immer schloss, endete eine fast neunzigjährige Ära. Sie begann mit der Herstellung von Grubenloks und Rohölmotoren, setzte sich über den Schlepperbau fort und führte schließlich zum Ausbau des Werkes als größter ostdeutscher Dieselmotorenproduzent.

Firmengründung bis 1935

Die sich in der Region rasant entwickelnde Kali- und Gipsindustrie benötigte dringend Maschinen und Ausrüstungen. 1905 gründeten August König und Albert Gerlach die Firma Gerlach & König, die sich in der Casseler-Straße 30c in Nordhausen ansiedelte. Dieses Unternehmen war die Keimzelle des späteren IFA-Werkes. Ab 1907 firmierte der Betrieb unter Maschinenfabrik Montania. Die Montania stellte Bergbaugeräte für die Kaliwerke der Region sowie motorgetrieben Lokomotiven für Gruben- und Feldbahnen her.

1912 übernahm die Firma Orenstein & Koppel (O & K) das Nordhäuser Unternehmen, das mit Beginn des Ersten Weltkriegs umfangreiche Aufträge für das Heer erledigte. Von nun an verließen Motorlokomotiven für Munitions- und Verpflegungstransporte, Knorrbremsen für die Eisenbahn, Artillerie-Radnaben und Untergestelle für Maschinengewehre das Werk. Nach Kriegsende lief der Lokomotivbau wieder an, doch enteigneten die Nazis die jüdischen Eigentümer der Firma 1935 im Zuge der sogenannten Arisierung.

Rüstungsproduktion und Raketen aus Nordhausen

Die Maschinenbau u. Bahnbedarf AG (MBA) trat nunmehr an die Stelle von Orenstein & Koppel. Der Bau der Reichsautobahnen brachte dem Betrieb umfangreiche Lokomotivaufträge. Bis zu hundert Loks verließen monatlich das Werk. 1937 kam der Traktorenbau hinzu und Ackerschlepper erweiterten das Sortiment. Ab 1939 nahm das Unternehmen nach und nach immer mehr Rüstungsgüter in seine Produktpalette auf. So verließen für das Heer bestimmte 12-Zylinder Maybach-Panzermotoren das Werk. Dies in Kooperation mit dem Maybach-Motorenwerk Friedrichshafen. Ebenso produzierte MBA Teile für Nebelwerfer.

Mit Fortschreiten des Krieges und Abberufungen zur Wehrmacht ersetzte die MBA weichende Arbeitskräfte vorwiegend durch Zwangsarbeiter. Für sie richtete die Firmenleitung ein werkseigenes Barackenlager gegenüber dem Werksgelände ein. In Spitzenzeiten waren dort bis zu 1.200 ausländische Arbeitskräfte beherbergt. 1944 waren etwa 2/3 aller Beschäftigten der MBA ausländischer Herkunft.

Direkte Nachkriegszeit und Raketennachbau

Wie durch ein Wunder blieben die MBA-Werkhallen beim Luftangriff vom 3. und 4. April 1945, der große Teil der Stadt Nordhausen in Schutt und Asche legte, unbehelligt. Am 11. April besetzten amerikanische Truppen das Werk. Dennoch stand die Produktion nur für einige wenige Tage still. Bereits im Mai nahm die neue gegründete Montania GmbH die Produktion von Schleppern wieder auf.

Nach dem Abzug der Amerikaner gaben Sowjets dem Werk eine andere Bestimmung. Als Teil des Raketeninstituts RABE (Raketenbau und Entwicklung) zogen sie das Werk in den Nachbau der zuvor im Kohnstein bei Nordhausen produzierten A4-Rakete ein. In Halle 3 der wurden von nun an nach rekonstruierten Zeichnungen Antriebsaggregate für V2-Raketen nachgebaut. Dies unter dem Namen Montania Werk 2, Triebwerksbau. Mit dieser Aufgabe waren 151 Ingenieure und Technische Zeichner sowie 560 Facharbeitermit befasst. Das Werk war mit 210 Drehbänken, 740 Werkzeugmaschinen und Anlagen ausgestattet, ebenso mit zwei Prüfständen für die Erprobung von Triebwerken. Mitte Juni 1947 zogen die Sowjets die gesamte Produktion ab und verbrachten die Anlagen nach Kapustin Jar, südlich von Stalingrad gelegen.

Demontage des Werkes

Danach demontierten die russischen Besatzer das für sie nutzlos gewordene Werk und sprengten einen Großteil der Gebäude. Der Standort lag damit komplett am Boden.

Neubeginn 1948: die Aufnahme der Traktorenproduktion

In den wenigen noch vorhandenen Hallen siedelte sich im Juni 1948 das IFA Schlepperwerk Nordhausen an. Innerhalb kürzester Zeit zog der Volkseigene Betrieb (VEB) acht neue Produktionshallen hoch. Die Arbeiten waren Mitte November 1949 abgeschlossen. Am 22. Juli 1949 ging der erste Nordhäuser Traktor, die Brockenhexe, in Serie. Diesen legendären Traktor löste der Pionier ab, bevor 1956 eine völlige Neuentwicklung mit dem Namen Favorit – später Famulus – in Bau ging.

Der Famulus und seine weiterentwickelten Varianten waren über ein Jahrzehnt lang das Aushängeschild des Nordhäuser Schlepperwerks. 1964 kam es zu grundlegenden Änderungen. Die DDR-Planwirtschaft bestimmte, dass das Schlepperwerk Nordhausen seine Produktion umzustellen habe. So wurde das Nordhäuser Traktorenwerk, das bis dahin dem VVB Landmaschinen- und Traktorenbau zugehörig war, dem VVB Automobilbau zugeordnet. Die Traktorenproduktion war komplett einzustellen und die Fertigung von Dieselmotoren aufzunehmen.

1965 Umstellung der Produktion auf Dieselmotoren

1965 erhielt das Nordhäuser Unternehmen die Weisung, die Produktion veralteter LKW-Motors des Typs EM 4 vom VEB Sachsenring Zwickau zu übernehmen. Dieser wurde unter Regie des Nordhäuser Werkes komplett modernisiert und neu aufgesetzt. 1967 begann die Serienproduktion dieses meistgebauten Dieselmotors der DDR, der über mehr als zwei Jahrzehnte Antriebsaggregat für LKWs, Mähdrescher und Diesel-Notstromaggregate war.

Im Oktober 1973 ging die zweite Entwicklungsstufe des Motors in Serie. Die Mitarbeiterzahl im Werk stieg von 2.220 im Jahr 1965 auf 3.167 im Jahr 1975. Im Wendejahr 1989 waren es 4.375 Menschen, die im VEB IFA MN unter Vertrag standen.

Wendezeit 1989 bis zur Auflösung

Am 1. Juli 1990 wurde der VEB IFA MN in die IFA Motorenwerke Nordhausen GmbH überführt und die Fahrradproduktion in eine weitere eigenständige GmbH ausgegliedert. Die Gespräche mit Mercedes Benz über die Fortführung der Motorenproduktion zerschlugen sich. Danach folgte ein Sterben auf Raten.

Wegen wegbrechender Märkte und fehlender Nachfrage verloren nach und nach nahezu alle Ifa-Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. Allerdings boten die freiwerdenden Hallen Platz für neue Unternehmen, die sich in der Folge zahlreich auf dem Gelände des ehemaligen Ifa-Industrieparks ansiedelten. Zwischenzeitlich sind in dem Komplex annähernd wieder 1.000 Personen in 57 Firmen beschäftigt.

Seit 2011 Ifa-Museum Nordhausen

Auch das IFA-Museum Nordhausen fand im ehemaligen IFA-Kulturhaus seine Bleibe. Seit September 2011 präsentiert der Verein dort seine Dauerausstellung zur wechselvollen Geschichte des Industriestandortes, die nicht in Vergessenheit geraten darf.

Anschrift Ifa-Museum Nordhausen

IFA-Museum Nordhausen
Montaniastraße 13
99734 Nordhausen
info@ifa-museum-nordhausen.de
Tel. +49 (0)36314791543

Öffnungszeiten IFA-Museum Nordhausen

April bis November: Dienstag und Donnerstag von 10.00 bis 17.00 Uhr
Dezember bis März: Dienstag und Donnerstag von 10.00 bis 16.00 Uhr sowie jeden 2. Samstag im Monat

Führungen nach Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten.

Quelle: Webseite IFA-Museum Nordhausen
Bildquelle: hoga-presse-Redaktion

Haben Sie noch weiteres Interesse an der Wirtschaftsgeschichte der Stadt Nordhausen? Dann besuchen Sie doch auch das Regional-Museum, den Tabakspeicher Nordhausen.

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