Die Interhotels der DDR prägten über Jahrzehnte das Bild des Tourismus im Osten Deutschlands. Als staatliche Luxushotelkette vereinten sie internationalen Komfort, architektonische Vielfalt und wirtschaftliche Bedeutung. Von Berlin über Leipzig und Dresden bis nach Warnemünde entstanden Häuser, die bis heute zu den bekanntesten Hotels Deutschlands zählen. Der Beitrag beleuchtet ihre Geschichte, ihre Rolle als Devisenbringer und ihr Erbe nach der Wiedervereinigung.
Wie die Interhotels das Bild der DDR prägten
Wer heute durch Berlin, Leipzig, Dresden, Weimar oder Rostock reist, begegnet ihnen noch immer: den ehemaligen Interhotels der DDR. Manche Häuser tragen inzwischen die Namen internationaler Hotelketten wie Hilton, Westin, Radisson, Leonardo oder Mercure. Andere wurden umfassend modernisiert oder haben eine völlig neue Nutzung erhalten. Dennoch sind die Interhotels bis heute ein wichtiger Bestandteil der deutschen Hotelgeschichte.
Für viele Menschen in der DDR wirkten die Interhotels wie eine andere Welt. Während der Alltag häufig von Warenknappheit, langen Wartezeiten und eingeschränkten Reisemöglichkeiten geprägt war, boten die großen Hotels internationalen Komfort, elegante Restaurants, moderne Hotelbars und eine Ausstattung, die sich deutlich vom übrigen Hotelangebot des Landes abhob. Wer ein Interhotel betrat, spürte sofort, dass hier andere Maßstäbe galten als draußen auf der Straße.
Die Interhotels waren deshalb weit mehr als gewöhnliche Hotels. Sie dienten als Prestigeprojekte des sozialistischen Staates, sollten internationale Gäste beeindrucken und gleichzeitig dringend benötigte Devisen erwirtschaften. Gemeinsam mit den Intershops bildeten sie das sichtbarste Schaufenster der DDR für internationale Besucher und wurden zu einem zentralen Instrument der Devisenbeschaffung. Ihre Geschichte erzählt von Tourismus, Architektur und Gastfreundschaft, aber ebenso von Wirtschaftspolitik, Überwachung und den Widersprüchen der DDR.
Was waren die Interhotels der DDR?
Die Interhotels waren eine staatliche Hotelkette der DDR, die am 1. Januar 1965 gegründet wurde. Sie dienten der Unterbringung internationaler Gäste, der Beschaffung von Devisen und der Repräsentation des sozialistischen Staates. Bis 1989 gehörten rund 35 Hotels mit mehr als 16.000 Betten zur Interhotel-Gruppe. Die Häuser entstanden bevorzugt in Bezirksstädten, Messestandorten und touristisch bedeutenden Regionen. Ziel war es, Hotels zu schaffen, die internationalen Standards entsprachen und Besucher aus dem westlichen Ausland anziehen konnten. Gleichzeitig sollten die Interhotels ein modernes und weltoffenes Bild der DDR vermitteln.
Wer heute durch Berlin, Leipzig, Dresden, Weimar oder Rostock reist, begegnet ihnen noch immer: den ehemaligen Interhotels der DDR. Manche Häuser tragen inzwischen die Namen internationaler Hotelketten wie Hilton, Westin, Radisson, Leonardo oder Mercure. Andere wurden umfassend modernisiert oder haben eine völlig neue Nutzung erhalten. Dennoch sind die Interhotels bis heute ein wichtiger Bestandteil der deutschen Hotelgeschichte.
Warum wurden die Interhotels gegründet?
Die DDR war dauerhaft auf Devisen angewiesen. Die Mark der DDR war außerhalb des Landes kaum handelbar, während wichtige Importe mit frei konvertierbaren Währungen wie D-Mark oder US-Dollar bezahlt werden mussten. Die Interhotels entwickelten sich deshalb zu einem wichtigen Instrument der Devisenbeschaffung. Aus zunächst elf Hotels entstand innerhalb weniger Jahre eine landesweite Hotelkette. Internationale Geschäftsreisende, Messebesucher, Diplomaten und Touristen brachten dringend benötigte Einnahmen ins Land. Gleichzeitig sollten die Hotels zeigen, dass die DDR in der Lage war, modernen Komfort und professionelle Gastfreundschaft anzubieten.
Luxus im Sozialismus: Die Besonderheiten der Interhotels
Innerhalb der DDR nahmen die Interhotels eine Sonderstellung ein. Während viele Hotels und Gaststätten des Landes eher funktional ausgestattet waren, orientierten sich die Interhotels bewusst an internationalen Standards. Großzügige Eingangshallen, moderne Aufzüge, Teppichböden, hochwertige Möbel und elegante Restaurants gehörten zur Grundausstattung vieler Häuser. Besonders beeindruckend waren die gastronomischen Einrichtungen. Cocktailbars, internationale Restaurants und großzügige Veranstaltungsräume vermittelten vielen Gästen das Gefühl, sich in einem westlichen Hotel zu befinden. Importierte Produkte und hochwertige Lebensmittel standen hier deutlich häufiger zur Verfügung als im normalen DDR-Alltag.
Viele Häuser waren zunächst ausschließlich für ausländische Gäste vorgesehen. Diese sogenannten Devisen- oder Valutahotels sollten möglichst hohe Einnahmen in westlicher Währung erzielen. Erst Anfang der 1970er-Jahre wurden zahlreiche Interhotels auch für DDR-Bürger geöffnet. Dennoch blieb ein Aufenthalt für viele Menschen etwas Besonderes und wurde häufig mit Jubiläen, Hochzeiten oder besonderen Reisen verbunden.
Die bekanntesten Interhotels der DDR
Die Interhotel-Kette war bis zum Ende der DDR in nahezu allen größeren Städten vertreten. Insgesamt gehörten rund 35 Hotels mit mehr als 16.000 Betten zum Unternehmen. Die Häuser entstanden vor allem in Bezirksstädten, Messestandorten und touristisch wichtigen Regionen.
Karte der Interhotels der DDR
Die Karte zeigt ausgewählte ehemalige Interhotels der DDR in Berlin, Leipzig, Dresden, Rostock, Potsdam, Erfurt, Weimar, Oberhof und weiteren Städten.
Inter- und Devisenhotels in Berlin
Ost-Berlin war das Zentrum der DDR-Hotellerie. Als Hauptstadt befanden sich hier die prestigeträchtigsten Häuser der Interhotel-Kette. Besonders bekannt waren das Hotel Stadt Berlin am Alexanderplatz, das Grand Hotel Berlin, das Palasthotel, das Hotel Metropol, das Domhotel sowie das Hotel Unter den Linden.
Das Hotel Stadt Berlin entwickelte sich mit seinem markanten Hochhaus zu einem Wahrzeichen der Hauptstadt. Die Panorama-Bar in den oberen Etagen bot einen beeindruckenden Blick über Ost-Berlin. Das Grand Hotel Berlin wiederum verkörperte in den späten 1980er-Jahren den Versuch der DDR, an die Tradition klassischer europäischer Luxushotels anzuknüpfen.
Interhotels in Leipzig
Leipzig gehörte aufgrund der Leipziger Messe zu den wichtigsten Standorten der DDR-Hotellerie. Während der Messezeiten waren die Hotels regelmäßig ausgebucht. Internationale Geschäftsleute, Einkäufer und Delegationen aus aller Welt sorgten für hohe Deviseneinnahmen.
Zu den bekanntesten Leipziger Interhotels gehörten das Hotel Merkur, das Hotel Astoria, das Hotel Deutschland, das Hotel Stadt Leipzig, das Hotel International und das Hotel Zum Löwen. Besonders das Hotel Merkur galt als eines der modernsten Hotels der DDR und wird heute als The Westin Leipzig weitergeführt.
Interhotels in Dresden
Auch Dresden verfügte über mehrere bedeutende Häuser der Interhotel-Kette. Dazu zählten das Hotel Bellevue, der Dresdner Hof, das Hotel Newa, das Hotel Astoria sowie das Motel Dresden. Ergänzt wurden sie durch die Hotels Lilienstein, Königstein und Bastei.
Eine besondere Stellung nahm der Dresdner Hof ein. Das Hotel wurde 1990 eröffnet und gehörte zu den letzten großen Hotelprojekten der DDR. Ursprünglich als Devisenhotel konzipiert, entwickelte es sich nach der Wiedervereinigung schnell zu einem der erfolgreichsten Hotels Ostdeutschlands. Heute wird das Gebäude als Hilton Dresden geführt.
Interhotels in Potsdam
Das Interhotel Potsdam gehörte zu den bekanntesten Hotels der DDR. Direkt an der Havel gelegen, bot es einen außergewöhnlichen Blick auf die Stadt und die umliegende Seenlandschaft. Das Haus verfügte über mehrere Restaurants, Veranstaltungsräume und galt lange als eines der repräsentativsten Hotels des Landes.
Interhotels in Rostock und Warnemünde
Die Ostseeküste spielte für den DDR-Tourismus eine zentrale Rolle. Besonders bekannt wurde das Hotel Neptun in Warnemünde. Direkt am Strand gelegen, galt es als eines der luxuriösesten Hotels des Landes und zog zahlreiche prominente Gäste aus Ost und West an.
Auch in Rostock entstanden moderne Hotels für internationale Besucher und Geschäftsreisende. Die Nähe zum Hafen machte die Region zu einem wichtigen Standort des DDR-Außenhandels.
Die Interhotels in Thüringen nahmen besondere Sonderstellung ein
Thüringen gehörte zu den wichtigsten Standorten der Interhotel-Kette der DDR. Zwischen dem Thüringer Wald, den Kulturstädten Weimar und Erfurt sowie den Industriestandorten Gera und Jena entstand ein Netz bedeutender Devisenhotels, das internationale Gäste, Geschäftsreisende, Staatsdelegationen und Urlauber beherbergte. Die Thüringer Interhotels vereinten traditionsreiche Grandhotels mit moderner DDR-Architektur und spiegelten die unterschiedlichen Aufgaben der staatlichen Hotelkette wider.
Weimar als kulturelles Zentrum der DDR-Hotellerie
Eine besondere Stellung nahm Weimar ein. Die Klassikerstadt verfügte mit dem Hotel Elephant und dem Interhotel Belvedere über zwei der bedeutendsten Hotels Thüringens. Das traditionsreiche Hotel Elephant am historischen Markt galt als eines der renommiertesten Häuser der DDR. Seine Geschichte reicht bis weit vor die DDR-Zeit zurück. Aufgrund seiner engen Verbindung zur deutschen Klassik sowie zu Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller und Thomas Mann war das Hotel eine bevorzugte Adresse für Kulturreisende, Staatsgäste und internationale Besucher.
Um den steigenden Bedarf an modernen Hotelkapazitäten zu decken, begann die DDR Mitte der 1980er Jahre mit dem Bau eines zweiten großen Interhotels in Weimar. Das Interhotel Belvedere entstand an der Belvederer Allee in unmittelbarer Nähe zum Park an der Ilm und zum Schloss Belvedere. Geplant war ein modernes Devisenhotel mit Restaurants, Bars, Konferenz- und Banketträumen, Schwimmbad, Sauna, Whirlpool, Geschäften und umfangreichen Serviceeinrichtungen. Architektonisch zählt das Gebäude zu den interessantesten Beispielen der späten DDR-Hotelarchitektur. Die Natursteinfassaden, das Mansarddach und die repräsentative Eingangshalle orientierten sich bewusst an klassischen Grandhotels.
Erfurt als Tor zur DDR
Auch Erfurt verfügte über bedeutende Häuser der Interhotel-Kette. Der Erfurter Hof gehörte zu den führenden Interhotels der DDR und war international bekannt. Das Haus verfügte über 309 Betten, elegante Zimmer und Appartements sowie zahlreiche gastronomische Einrichtungen. Dazu zählten ein Restaurant, ein Konditoreicafé, das Palast-Konzertcafé, eine Tanzbar, die Mokkabar sowie ein Winzerkeller mit ausgewählten Weinen und Spirituosen. Darüber hinaus bot das Hotel Konferenz- und Gesellschaftsräume, einen großen Festsaal, Friseursalons und umfangreiche Serviceleistungen. Dank seiner zentralen Lage und seiner gehobenen Ausstattung galt der Erfurter Hof als eines der wichtigsten Repräsentationshotels Thüringens.
Ab 1948 wurde der Erfurter Hof als landeseigener Betrieb geführt und ging 1950 in den Besitz der Stadt Erfurt über. Betreiber waren zunächst die Kommunalen Wirtschaftsunternehmen (KWU) Erfurt, später die Handelsorganisation (HO), bevor das Hotel schließlich in die staatliche Interhotel-Gruppe integriert wurde. Die beiden Hotelgebäude erhielten ab 1948 die gemeinsame Bezeichnung „Erfurter Hof“. Gleichzeitig wurde die Kapazität kontinuierlich ausgebaut. Die Zahl der Betten stieg von ursprünglich rund 250 auf etwa 350. Ende der 1980er Jahre beschäftigte das Hotel nahezu 350 Mitarbeiter und gehörte damit zu den größten Hotelbetrieben Thüringens.
Internationale Bekanntheit erlangte der Erfurter Hof am 19. März 1970. Während des ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffens zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und dem DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph versammelten sich tausende Menschen vor dem Hotel. Begeisterte Erfurter durchbrachen die Polizeiabsperrungen und riefen „Willy Brandt ans Fenster“. Der Bundeskanzler trat daraufhin an ein Fenster des Hotels und grüßte die Menschenmenge. Die Bilder gingen um die Welt und machten den Erfurter Hof zu einem Symbol der deutsch-deutschen Geschichte.
Als Mitglied der Interhotel-Kette gehörte der Erfurter Hof zu den repräsentativen Häusern der DDR-Hotellerie. Hier wurden Staatsgäste, Geschäftsreisende und internationale Besucher empfangen. Das Hotel galt zudem als wichtige Ausbildungsstätte für Führungskräfte der DDR-Hotellerie und wurde deshalb häufig als „Kaderschmiede der Republik“ bezeichnet. Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm die Deutsche Interhotel GmbH das Haus 1991 von der Treuhandanstalt für rund 35 Millionen D-Mark. Trotz dieser Investition konnte der Hotelbetrieb langfristig nicht aufrechterhalten werden. Am 30. Juni 1995 wurde das Hotel geschlossen. In den folgenden Jahren stand das markante Gebäude weitgehend leer und verfiel zunehmend.
Im Jahr 2004 ging der ehemalige Erfurter Hof in das Eigentum der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) über. Anschließend erfolgte eine umfassende Sanierung und Umgestaltung. Bis September 2007 entstand aus dem früheren Hotel ein moderner Büro- und Servicekomplex. Heute befinden sich dort unter anderem die Sparkasse Mittelthüringen sowie die Thüringer Tourismus GmbH. Auch gastronomische Einrichtungen erinnern weiterhin an die traditionsreiche Geschichte des Hauses.
Ein weiteres bedeutendes Haus war das Hotel Kosmos, das 1980 eröffnet wurde. Das moderne Hochhaus gehörte zu den größten Hotels Thüringens und prägte über Jahrzehnte die Silhouette der Landeshauptstadt. Es war insbesondere auf internationale Gäste, Geschäftsreisende und Tagungsveranstaltungen ausgerichtet.
Das Panorama Oberhof als Wahrzeichen des Thüringer Waldes
Zu den bekanntesten Interhotels Thüringens zählte das Hotel Panorama in Oberhof. Der 1969 eröffnete Hotelkomplex wurde durch seine außergewöhnliche Architektur berühmt. Die beiden markanten Gebäudeflügel erinnern an Skisprungschanzen und machten das Haus zu einem der auffälligsten Hotelbauten der DDR.
Oberhof war eines der wichtigsten Wintersportzentren des Landes. Internationale Wettkämpfe, Trainingslager und touristische Großveranstaltungen sorgten dafür, dass das Panorama regelmäßig Gäste aus dem In- und Ausland empfing. Das Hotel entwickelte sich zu einem Wahrzeichen des Thüringer Waldes und gehörte zu den bekanntesten Ferienhotels der DDR.
Suhl als bedeutender Hotelstandort
Eine wichtige Rolle spielte auch das Hotel Thüringen in Suhl. Das 1965 eröffnete Haus wurde zwei Jahre später in die Interhotel-Kette aufgenommen. Aufgrund seiner Lage zwischen den Mittelgebirgslandschaften des Thüringer Waldes und den industriellen Zentren Südthüringens war das Hotel sowohl für Geschäftsreisende als auch für Urlaubsgäste von Bedeutung. Das Hotel verfügte über moderne Zimmer, gastronomische Einrichtungen und Veranstaltungsräume und gehörte über viele Jahre zu den repräsentativen Häusern des Bezirks Suhl.
Interhotels in Gera und Jena
In Ostthüringen befanden sich weitere wichtige Häuser der Interhotel-Gruppe. Das Interhotel Gera wurde 1967 eröffnet und entwickelte sich schnell zum führenden Hotel der Stadt. Als modernes Hochhaushotel bot es internationale Standards und beherbergte zahlreiche Geschäftsreisende sowie ausländische Gäste.
In Jena gehörte das Hotel International zu den traditionsreichsten Hotels der Stadt. Das ursprünglich 1931 als Deutsches Haus errichtete Gebäude wurde 1965 in die Interhotel-Kette aufgenommen. Als Hotelstandort der Universitäts- und Industriestadt Jena spielte es eine wichtige Rolle für Wissenschaftler, Geschäftsreisende und internationale Besucher.
Hotel Neptun Warnemünde: Kein Interhotel, aber ein Hotel mit Sonderstatus
Unter den Hotels der DDR nahm das Hotel Neptun in Warnemünde eine außergewöhnliche Stellung ein. Obwohl das 1971 eröffnete Haus offiziell nie zur staatlichen Interhotel-Kette gehörte, wurde es häufig auf eine Stufe mit den renommiertesten Interhotels des Landes gestellt. Aufgrund seines hohen Komforts, seiner internationalen Ausrichtung und seiner Bedeutung für den DDR-Tourismus galt das Neptun als eines der exklusivsten Hotels der Republik.
Direkt an der Ostseeküste gelegen, setzte das Hotel Maßstäbe, die weit über den üblichen DDR-Standard hinausgingen. Die von schwedischen Architekten geplante Anlage verfügte über eine Meerwasser-Schwimmhalle, Panorama-Restaurants, eine Sky-Bar sowie die erste Diskothek der DDR. Zahlreiche prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur zählten zu den Besuchern. Zu den bekanntesten Gästen gehörten unter anderem Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher.
Eine Besonderheit bestand darin, dass das Hotel Neptun nicht von der Interhotel-Kette, sondern von der staatlichen Handelsorganisation (HO) betrieben wurde. Ursprünglich sollte das Haus vor allem Devisen durch westdeutsche und internationale Gäste erwirtschaften. Nach politischen Entscheidungen innerhalb der DDR-Führung wurde das Hotel jedoch überwiegend für FDGB-Urlauber und DDR-Bürger geöffnet.
Damit nahm das Hotel Neptun eine einzigartige Sonderrolle ein: Es war kein Interhotel, erfüllte jedoch in vielerlei Hinsicht dieselben Aufgaben wie die bekannten Devisenhotels der DDR. Aufgrund seines internationalen Standards, seiner modernen Architektur und seiner herausragenden Lage an der Ostsee wurde es vielfach als das prestigeträchtigste Hotel der DDR außerhalb der Interhotel-Kette angesehen.
Intershop und Interhotel: Luxus, Devisen und begehrte Westwaren
Die Interhotels und Intershops gehörten zu den bekanntesten Symbolen der DDR-Devisenwirtschaft. Beide Einrichtungen verfolgten dasselbe Ziel: dringend benötigte westliche Währungen ins Land zu holen. Während die Interhotels durch Übernachtungen, Gastronomie und Veranstaltungen Deviseneinnahmen erzielen sollten, dienten die Intershops als exklusive Verkaufsstellen für begehrte Waren aus dem Westen.
Mit dem Ausbau der Interhotel-Kette entstand eine enge Verbindung zwischen beiden Systemen. In nahezu jedem größeren Interhotel befand sich mindestens ein Intershop. Die luxuriösen Hotels waren die ideale Umgebung für diese besonderen Geschäfte, da hier internationale Gäste, Geschäftsreisende und Besucher aus westlichen Ländern übernachteten. Das Sortiment der Intershops unterschied sich erheblich vom Angebot gewöhnlicher Kaufhallen. Verkauft wurden internationale Spirituosen, Tabakwaren, Kaffee, Schokolade, Parfüm, Kosmetikartikel, Jeans, Unterhaltungselektronik, Schmuck, Uhren und hochwertige Haushaltswaren. Viele dieser Produkte galten in der DDR als Statussymbole und waren entsprechend begehrt.
Besonders eng war die Verbindung zwischen Interhotels und Intershops in Ost-Berlin. Mehrere renommierte Hotels verfügten über eigene Verkaufsstellen. Im Hotel Metropol befanden sich sogar mehrere Intershop-Bereiche. Internationale Gäste konnten dort einkaufen, ohne das Hotel verlassen zu müssen. Bezahlt werden konnte ausschließlich mit frei konvertierbaren Währungen wie D-Mark, US-Dollar oder Schweizer Franken. Für viele DDR-Bürger blieben die Waren deshalb zunächst unerreichbar. Ab 1979 mussten Westgelder gegen sogenannte Forumschecks eingetauscht werden, die anschließend als Zahlungsmittel in den Intershops dienten.
Die Intershops machten die Unterschiede zwischen dem Warenangebot der DDR und dem Westen sichtbar. Für viele Besucher symbolisierten sie Wohlstand, Internationalität und Konsumfreiheit. Gleichzeitig standen sie für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der DDR, die auf Devisen angewiesen war und deshalb ein eigenes System von Hotels, Geschäften und Dienstleistungen für zahlungskräftige Gäste aus dem Ausland schuf. Gemeinsam bildeten Interhotels und Intershops ein einzigartiges Netzwerk innerhalb der DDR. Beide Einrichtungen sollten Devisen beschaffen, internationale Gäste anziehen und dem Staat dringend benötigte Einnahmen sichern. Heute gelten sie als prägende Symbole der DDR-Wirtschaft und verdeutlichen wie kaum ein anderes Beispiel die Widersprüche zwischen sozialistischer Planwirtschaft und dem Bedarf an westlichen Konsumgütern.
Die Gastronomie der Interhotels
Eine besondere Rolle spielte die Gastronomie. Während viele Restaurants und Gaststätten der DDR unter Versorgungsengpässen litten, verfügten die Interhotels über bessere Warenkontingente und Zugang zu Importprodukten.
Internationale Gäste erwarteten ein hochwertiges gastronomisches Angebot. Deshalb entstanden Restaurants, die sich deutlich vom üblichen Standard abhoben. Auf den Speisekarten standen internationale Gerichte, hochwertige Fleisch- und Fischspezialitäten, importierte Weine sowie zahlreiche Desserts und Kaffeespezialitäten. Für viele DDR-Bürger war bereits ein Restaurantbesuch im Interhotel ein außergewöhnliches Erlebnis und oft ein Höhepunkt besonderer Anlässe.
Die Rolle der Stasi in den Interhotels
Internationale Gäste machten die Interhotels für die Staatssicherheit besonders interessant. Hotels galten als Orte, an denen Informationen gesammelt, Kontakte beobachtet und politische Entwicklungen analysiert werden konnten. Viele Häuser standen daher unter intensiver Beobachtung. Einige Mitarbeiter arbeiteten als inoffizielle Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit. Internationale Geschäftsleute, Journalisten, Politiker oder Diplomaten wurden häufig überwacht. Die Interhotels waren damit nicht nur Orte der Gastfreundschaft, sondern auch Schauplätze der politischen Realität des Kalten Krieges.
Nicht realisierte Interhotel-Projekte
Mit der politischen Wende endeten auch zahlreiche Planungen, die zu DDR-Zeiten bereits weit fortgeschritten waren. Mehrere Projekte wurden nie verwirklicht oder verloren nach der Wiedervereinigung ihre wirtschaftliche Grundlage. Zu den bekanntesten Vorhaben gehörte das geplante Hotel Stadt Dresden am Ferdinandplatz. Es sollte die Kapazitäten der Dresdner Stadthotellerie erweitern, wurde jedoch nie gebaut. Erst Jahrzehnte später entstanden auf dem Areal neue Bauprojekte mit völlig anderer Nutzung.
Auch für Oberhof existierten Pläne für ein weiteres Interhotel mit dem Namen Interhotel Rennsteig. Nach 1990 wurden diese Überlegungen aufgegeben, da sich die Rahmenbedingungen des Hotelmarktes grundlegend verändert hatten. Ein weiteres geplantes Interhotel sollte in Oberwiesenthal entstehen. Das Projekt kam jedoch über das Planungsstadium nicht hinaus.
Ebenso existierten Überlegungen, im Neuen Palais in Potsdam ein repräsentatives Luxushotel einzurichten. Mit der Wiedervereinigung verloren diese Pläne ihre Grundlage und wurden nicht weiterverfolgt. Auch in Weimar war Anfang der 1990er-Jahre ein neues Parkhotel am Markt vorgesehen. Der politische und wirtschaftliche Umbruch führte jedoch dazu, dass das Projekt nie umgesetzt wurde.
Was geschah mit den Interhotels nach der Wiedervereinigung?
Mit der deutschen Wiedervereinigung endete nicht nur die Geschichte der DDR, sondern auch die der staatlichen Hotelkette Interhotel. Die 34 Häuser galten als Aushängeschilder des DDR-Tourismus und verfügten über attraktive Standorte in den Innenstädten von Berlin, Dresden, Leipzig, Weimar, Rostock und zahlreichen weiteren Städten. Für die Treuhandanstalt stellte ihre Privatisierung eines der größten und zugleich politisch sensibelsten Vorhaben der Nachwendezeit dar.
Ausgangslage der Interhotel AG
Die Interhotel-Kette galt als eines der wirtschaftlich bedeutendsten Unternehmen der DDR. Kurz vor der Wiedervereinigung erwirtschaftete sie einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden D-Mark und einen Gewinn von etwa 400 Millionen D-Mark. Gleichzeitig befanden sich viele Hotels in einem sanierungsbedürftigen Zustand und spiegelten damit die strukturellen Probleme der DDR-Wirtschaft wider. Im Zuge der Privatisierung volkseigener Betriebe wurde der VEB Interhotel DDR am 1. März 1990 unter der letzten DDR-Regierung von Hans Modrow in die Deutsche Interhotel AG umgewandelt. Alle Anteile lagen zunächst bei der Treuhandanstalt. Nach eigenen Angaben belegte die Hotelkette damals Platz 52 unter den 200 größten Hotelketten weltweit.
Kooperation mit Steigenberger und Eingreifen der Treuhand
Trotz der wirtschaftlichen Öffnung der DDR verfügte die Interhotel AG weiterhin über eine nahezu monopolartige Stellung auf dem ostdeutschen Hotelmarkt. Entsprechend groß war das Interesse westdeutscher Hotelunternehmen. Bereits im Frühjahr 1990 nahm die Steigenberger-Gruppe Kontakt zur Interhotel AG auf. Am 19. Juli 1990 gründeten beide Unternehmen die Steigenberger-Interhotel GmbH, an der jede Seite zu gleichen Teilen beteiligt war. Wenige Tage später wurden Pachtverträge für die Interhotels unterzeichnet, denen Vertreter der Treuhand zunächst zustimmten. Der damalige Vorstandsvorsitzende der Interhotel AG, Hellmut Fröhlich, verband mit der Kooperation die Hoffnung auf einen Know-how-Transfer sowie einen gemeinsamen Marktauftritt beider Hotelgruppen.
Mit dem Amtsantritt Detlev Rohwedders als Präsident der Treuhandanstalt am 1. September 1990 änderte sich die Situation grundlegend. Rohwedder hielt die Vereinbarungen für wirtschaftlich nachteilig, kritisierte insbesondere die aus seiner Sicht zu niedrigen Pachtzinsen und lehnte eine faktische Komplettübernahme durch Steigenberger ab. Sein Ziel war ein offenes internationales Bieterverfahren, um möglichst viele Investoren anzuziehen und einen höheren Verkaufserlös für die Treuhand zu erzielen. Er betonte, dass Fehler bei der Privatisierung die wirtschaftliche Entwicklung Ostdeutschlands langfristig prägen würden, und bezeichnete die Interhotels als ein „Lehrstück“ der Treuhandpolitik. Im Zuge dieser Neubewertung wurde Vorstandschef Hellmut Fröhlich abberufen, da er nach Auffassung der Treuhand entgegen ihren Vorgaben gehandelt hatte.
Proteste und Scheitern der Steigenberger-Übernahme
Die Entscheidung der Treuhand löste bundesweite Proteste aus. Steigenberger warf der Behörde vor, dringend benötigte Investitionen zu behindern und sprach von einer „Verleumdungskampagne“. Auch Beschäftigte und Gewerkschaften kritisierten das Vorgehen scharf. Etwa 200 Mitarbeiter besetzten im September 1990 die Räume des Treuhand-Präsidiums am Berliner Alexanderplatz, weil sie den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze befürchteten. Der Gesamtbetriebsrat warnte davor, die Treuhand wolle lediglich die wirtschaftlich attraktivsten Hotels verkaufen, um kurzfristig hohe Einnahmen zu erzielen. Die Treuhand hielt dagegen, dass nur ein transparentes internationales Ausschreibungsverfahren den tatsächlichen Wert der Hotelkette widerspiegele und den größtmöglichen Erlös für das staatliche Vermögen sichern könne.
Steigenberger verweigerte zunächst weitere Verhandlungen mit der Treuhand. Erst nachdem das Berliner Landgericht im August 1991 die Pachtverträge aus dem Sommer 1990 für unwirksam erklärte, war der Weg für einen vollständigen Neustart des Verkaufsverfahrens frei. Die Treuhand beauftragte ein Londoner Bankhaus mit der Suche nach Investoren. Aus rund 200 Interessenten wurden schließlich vier Bewerber ausgewählt, darunter die Hotelgruppe Maritim, die Berliner Klingbeil-Gruppe sowie Sixt. Obwohl Sixt zeitweise bereits einen Kaufvertrag ausgehandelt hatte, zog das Unternehmen sein Angebot zurück.
Verkauf an Klingbeil (Trigon) und die Folgen
Nach der Ermordung Rohwedders im April 1991 setzte die neue Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel auf eine veränderte Strategie. Anders als ihr Vorgänger hielt sie einen Verkauf der Hotelkette als Gesamtpaket für attraktiver, um internationale Investoren zu gewinnen. Am 22. November 1991 verkaufte die Treuhand schließlich 28 Interhotels für rund 2,17 Milliarden D-Mark an die Berliner Klingbeil-Gruppe. Insgesamt erzielte die Treuhand aus dem Verkauf der Interhotels Einnahmen von etwa 2,5 Milliarden D-Mark. Weitere fünf Hotels wurden einzeln verkauft, während lediglich das Hotel „Thüringen Tourist“ in Suhl im Rahmen eines Management-Buy-outs in den Händen der bisherigen Betreiber blieb. Die Klingbeil-Gruppe verpflichtete sich zudem, innerhalb von sechs Jahren mehr als eine Milliarde D-Mark in die Modernisierung der Hotels und den Neubau weiterer Gebäude zu investieren.
Der Verkauf wurde zunächst als größter Einzeldeal der Treuhand gefeiert. Schon bald zeigten sich jedoch erhebliche Probleme. Hohe Finanzierungskosten, die schwächere Entwicklung des Immobilienmarktes sowie zahlreiche Restitutionsansprüche früherer Eigentümer – darunter etwa 100 Ansprüche auf 15 Hotelimmobilien – belasteten das Unternehmen erheblich. Die Klingbeil-Gruppe, die später unter dem Namen Trigon-Gruppe firmierte, musste bereits kurze Zeit nach der Übernahme mehrere Hotels weiterverkaufen oder verpachten und war Ende 1994 auf finanzielle Unterstützung der Treuhand angewiesen. Damit entwickelte sich der zunächst als Erfolg gefeierte Milliardenverkauf zu einem der bekanntesten Beispiele für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Risiken der Privatisierung ostdeutscher Großunternehmen.
Ein anderer Weg: Das Hotel Elephant in Weimar
Das Interhotel „Elephant“ in Weimar gehörte zu den traditionsreichsten Häusern der Interhotel-Kette. Anders als die meisten anderen ehemaligen DDR-Devisenhotels ging das Haus im Zuge der Privatisierung 1991 nicht an die Berliner Klingbeil-Gruppe, sondern an die Münchener Flamberg Hotels GmbH. Nach einer umfassenden Sanierung und Neugestaltung im Art-déco- und Bauhaus-Stil betrieb die Kempinski-Gruppe das Hotel ab 1997. Im Jahr 2000 erwarb die Schörghuber Unternehmensgruppe das Haus. Seit 2017 befindet sich das Hotel im Besitz der Hirmer Gruppe und wird heute unter der Marke Marriott Autograph Collection geführt. Damit gehört das ehemalige Interhotel bis heute zu den bekanntesten und traditionsreichsten Luxushotels Ostdeutschlands.
Übernahme durch die Deutsche Bank und späterer Verkauf an Blackstone
Im Jahr 1995 übernahmen die Deutsche Bank und die Depfa Bank die Deutsche Interhotel Holding GmbH & Co. KG mit ihren Hotels von der Berliner Trigon-Gruppe (vormals Klingbeil-Gruppe). Die Trigon-Gruppe um Klaus Groenke und Axel Guttmann war wegen hoher Verbindlichkeiten in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Erschwert wurde die Situation durch ausstehende Restitutionsverfahren, den erheblichen Modernisierungsbedarf zahlreicher Hotelimmobilien sowie die nach der deutschen Wiedervereinigung zunächst rückläufigen Belegungszahlen. Die Deutsche Bank hielt anschließend 45,6 Prozent der Anteile an der Deutschen Interhotel, während die Aareal Bank, die später das Immobiliengeschäft der Depfa übernahm, rund ein Drittel der Gesellschaft besaß.
In den folgenden Jahren wurde das Hotelportfolio schrittweise neu ausgerichtet. Einzelne Häuser wurden verkauft, modernisiert oder langfristig an internationale Hotelgesellschaften verpachtet. Während die Deutsche Interhotel Eigentümerin der Immobilien blieb, übernahmen renommierte Hotelketten den Betrieb zahlreicher Häuser. Auf diese Weise wurden ehemalige Interhotels unter Marken wie Westin, Hilton, Radisson SAS (heute Radisson Blu), InterContinental, Mercure oder Kempinski weitergeführt. Zu den bekanntesten Häusern gehörte das The Westin Grand Berlin an der Friedrichstraße, das von Starwood Hotels & Resorts unter der Marke Westin betrieben wurde.
Im Dezember 2006 trennten sich die Deutsche Bank und die Aareal Bank schließlich von ihrem Hotelportfolio und verkauften die verbliebenen 14 Hotels der Deutschen Interhotel an den amerikanischen Finanzinvestor Blackstone für rund 750 Millioen Euro. Blackstone baute bereits zuvor seine Aktivitäten auf dem deutschen Hotelmarkt deutlich aus und erwarb unter anderem das Grand Hotel Esplanade in Berlin sowie weitere Hotelimmobilien. Mit der Übernahme der Interhotel-Häuser sicherte sich das Unternehmen eines der bedeutendsten Hotelportfolios Deutschlands.
Für die ehemaligen Interhotels begann damit eine neue Entwicklungsphase. Einige Häuser blieben langfristig unter ihren etablierten internationalen Marken erfolgreich am Markt und wurden umfassend modernisiert. Andere wechselten in den folgenden Jahren erneut den Eigentümer oder Betreiber, wurden zu anderen Nutzungen umgebaut oder – sofern ein wirtschaftlicher Hotelbetrieb nicht mehr möglich war – geschlossen beziehungsweise abgerissen. Die Entwicklung der ehemaligen Interhotels verlief damit sehr unterschiedlich und war wesentlich von den jeweiligen Standortbedingungen, den Investitionen der Eigentümer sowie der regionalen Marktentwicklung abhängig.
Übersicht: Entwicklung der ehemaligen Interhotels nach 1990
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die wichtigsten ehemaligen Interhotels nach der Wiedervereinigung entwickelt haben. Sie dokumentiert Betreiberwechsel, Umnutzungen, Abrisse und die heutige Verwendung der Gebäude.
| Stadt | Ehemaliges Interhotel | Entwicklung nach 1990 | Heutige Nutzung |
|---|---|---|---|
| Berlin | Grand Hotel Berlin | 1987 eröffnet, ab 1992 Maritim, seit 1997 Westin | The Westin Grand Berlin |
| Berlin | Hotel Metropol | 1977 eröffnet, ab 1992 Maritim | Maritim proArte Hotel Berlin |
| Berlin | Palasthotel | 1979 eröffnet, ab 1992 Radisson SAS, 2000 geschlossen, 2001 abgerissen | Heute unter anderem Radisson Collection Hotel Berlin |
| Berlin | Domhotel | 1990 eröffnet, seit 1991 Hilton | Hilton Berlin |
| Berlin | Hotel Stadt Berlin | 1970 eröffnet, ab 1993 Forum Hotel Berlin, seit 2003 Park Inn by Radisson | Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz |
| Berlin | Hotel Unter den Linden | 1966 eröffnet, 2006 abgerissen | Büro und Geschäftshaus Upper Eastside |
| Berlin | Hotel Berolina | 1964 als HO Hotel eröffnet, ab 1965 Interhotel, 1995 geschlossen, 1996 abgerissen | Rathaus Mitte |
| Dresden | Hotel Bellevue | 1985 eröffnet, 1992 bis 1996 Maritim, ab 2000 Westin | Seit 2020 Bilderberg Hotels |
| Dresden | Dresdner Hof | 1990 eröffnet, seit 1992 Hilton | Hilton Dresden |
| Dresden | Hotel Newa | 1970 eröffnet, ab 1992 Mercure, 2008 bis 2024 Pullman | Seit 2024 Barceló |
| Dresden | Hotel Lilienstein | 1969 eröffnet, ab 1992 ibis, später The Student Hotel und Dresden Zentrum Hotel | Seit 2023 Holiday Inn Express Dresden Zentrum |
| Dresden | Hotel Königstein | 1969 eröffnet, seit 1992 ibis | ibis Dresden |
| Dresden | Hotel Bastei | 1969 eröffnet, seit 1992 ibis | ibis Dresden |
| Dresden | Motel Dresden | 1967 eröffnet, ab 1990 Hotel Am Bismarckturm, später abgerissen | Wohnbauten |
| Dresden | Hotel Astoria | 1950 eröffnet, ab 1965 Interhotel, 1992 geschlossen, 1998 abgerissen | Nicht mehr erhalten |
| Erfurt | Hotel Erfurter Hof | Bis 1964 HO Hotel, ab 1965 Interhotel, 1995 geschlossen | 2004 ging das Gebäude in das Eigentum der LEG Thüringen über. Bis September 2007 wurde der “Erfurter Hof” zum Büro- und Servicekomplex umgebaut, in dem neben traditionsreichen und neuen gastronomischen Einrichtungen nun die Sparkasse Mittelthüringen und die Thüringer Tourismus Gesellschaft (TTG) ihr Domizil gefunden haben. |
| Erfurt | Hotel Kosmos | 1980 eröffnet, ab 1995 Radisson SAS, 2009 bis 2025 Radisson Blu | Seit 2025 NYX Hotel Erfurt |
| Gera | Interhotel Gera | 1967 eröffnet, ab 1992 Maritim Hotel Gera, 1997 abgerissen | Gera Arcaden |
| Halle | Hotel Stadt Halle | 1966 eröffnet, 1992 bis 2015 Maritim Hotel Halle | Zeitweise Flüchtlingsunterkunft, zwischenzeitlich abgerissen |
| Jena | Hotel International | 1931 als Hotel Deutsches Haus erbaut, ab 1965 Interhotel, 1987 geschlossen | 1997 abgerissen |
| Chemnitz | Hotel Kongress | 1974 eröffnet, ab 1992 Mercure, 2018 bis 2023 Dorint, 2023 Übernahme durch die GCH Hotel Group | seit 2026 geschlossen |
| Chemnitz | Hotel Chemnitzer Hof | 1930 eröffnet, ab 1965 Interhotel, 1992 bis 2017 Günnewig Hotels; 2017 Übernahme durch IGC Immobiliengesellschaft Chemnitz; Günnewig weiterhin Betreiberin | Hotel Chemnitzer Hof |
| Chemnitz | Hotel Moskau | 1962 eröffnet, ab 1965 Interhotel, 1992 bis 2006 Günnewig Hotel Europa | Seit 2008 Hotel an der Oper |
| Leipzig | Hotel Merkur | 1981 eröffnet, ab 1993 InterContinental | Seit 2003 Westin Leipzig |
| Leipzig | Hotel Astoria | Bis 1964 HO Hotel, ab 1965 Interhotel, ab 1992 Maritim | Seit 1997 geschlossen |
| Leipzig | Hotel Am Ring | 1965 als Interhotel Deutschland eröffnet, später Hotel Am Ring, ab 1992 Mercure | Radisson Blu Leipzig |
| Leipzig | Hotel Stadt Leipzig | 1965 eröffnet, 1994 geschlossen und abgerissen | Heute Novotel |
| Leipzig | Hotel International | Ab 1965 Interhotel, 1996 bis 2021 Hotel Fürstenhof, danach Sanierung | Seit 2025 Lumière Boutique Hotel im Fürstenhof |
| Leipzig | Hotel Zum Löwen | 1965 eröffnet, ab 1995 Holiday Inn | Inzwischen Best Western |
| Magdeburg | Hotel International | 1963 eröffnet, ab 1965 Interhotel, seit 1992 Maritim, 1993 abgerissen | 1995 Maritim Neubau eröffnet |
| Neubrandenburg | Hotel Vier Tore | Ab 1990 Interhotel, ab 1995 Radisson SAS, ab 2009 Radisson Blu, 2016 abgerissen | Einkaufszentrum |
| Oberhof | Hotel Panorama | 1969 eröffnet, später Treff Hotels und Ramada Hotels | Seit 2018 Ahorn Hotels |
| Potsdam | Interhotel Potsdam | 1969 eröffnet, seit 1992 Mercure | Mercure Hotel Potsdam City |
| Rostock | Hotel Warnow | 1967 eröffnet, später Radisson SAS und Radisson Blu, 2001 geschlossen und abgerissen | Neubau, seit 2025 Scanhotel City |
| Suhl | Hotel Thüringen Tourist | 1965 eröffnet, ab 1967 Interhotel, später Hotel Thüringen und Michel Hotel Suhl | Seit 2023 Achat Hotel Suhl |
| Weimar | Hotel Elephant | 1955 bis 1966 HO Hotel, ab 1966 Interhotel, nach 1990 Kempinski und Luxury Collection | Autograph Collection by Marriott |
| Weimar | Hotel Belvedere | 1992 kurzzeitig Interhotel, danach Hilton Weimar | Seit 2007 Leonardo Hotels |
Häufig gestellte Fragen
Was waren die Interhotels der DDR?
Die Interhotels waren eine staatliche Hotelkette der DDR, die am 1. Januar 1965 gegründet wurde. Ihre Häuser sollten vor allem internationale Gäste, Geschäftsreisende, Diplomaten und Messebesucher beherbergen. Gleichzeitig dienten sie als repräsentative Aushängeschilder des Staates und sollten ein modernes, weltoffenes Bild der DDR vermitteln. Viele Interhotels boten einen für damalige Verhältnisse gehobenen Komfort mit Restaurants, Bars, Veranstaltungsräumen und internationalen Serviceleistungen. Die bekanntesten Standorte befanden sich unter anderem in Berlin, Leipzig, Dresden, Weimar, Erfurt, Potsdam und Oberhof.
Warum waren die Interhotels wichtige Devisenhotels?
Die Interhotels spielten eine wichtige Rolle bei der Beschaffung westlicher Devisen. Die DDR benötigte frei konvertierbare Währungen wie D-Mark oder US-Dollar, um Waren und Rohstoffe aus dem Ausland zu bezahlen. Internationale Gäste, Messebesucher und Geschäftsreisende zahlten ihre Übernachtungen, Restaurantbesuche und weitere Dienstleistungen häufig in westlicher Währung. Deshalb erhielten viele Interhotels bessere Warenkontingente und Zugang zu importierten Produkten. Neben ihrer wirtschaftlichen Funktion sollten die Häuser ausländische Besucher beeindrucken und zeigen, dass die DDR moderne Hotels, professionelle Gastronomie und internationalen Service anbieten konnte.
Wie viele Interhotels gab es in der DDR?
Bis zum Ende der DDR gehörten rund 35 Hotels mit mehr als 16.000 Betten zur staatlichen Interhotel-Gruppe. Die Häuser befanden sich vor allem in der Hauptstadt Ost-Berlin, in Bezirksstädten, an wichtigen Messestandorten und in beliebten Urlaubsregionen. Bedeutende Interhotels gab es beispielsweise in Leipzig, Dresden, Rostock, Potsdam, Weimar, Erfurt, Suhl und Oberhof. Die genaue Zahl änderte sich im Laufe der Jahre, da Hotels neu aufgenommen, umbenannt oder aus der Kette ausgegliedert wurden. Gemeinsam bildeten sie das wichtigste gehobene Hotelnetz der DDR.
Wer durfte in einem Interhotel übernachten?
Ursprünglich richteten sich viele Interhotels vor allem an internationale Gäste, Diplomaten, Geschäftsreisende, Künstler, Politiker und Besucher bedeutender Messen. Einige Häuser waren zunächst als sogenannte Devisen- oder Valutahotels konzipiert und für Gäste vorgesehen, die mit westlicher Währung bezahlten. Ab den 1970er-Jahren konnten zunehmend auch DDR-Bürger Zimmer buchen oder die Restaurants und Bars nutzen. Dennoch blieb ein Aufenthalt für viele Menschen etwas Besonderes, da die Preise, die Ausstattung und das Angebot deutlich über dem üblichen Standard lagen. Häufig wurden Interhotels für Hochzeiten, Jubiläen oder besondere Reisen besucht.
Was geschah nach der Wiedervereinigung mit der Interhotel-Kette?
Nach der Wiedervereinigung wurde die Deutsche Interhotel AG von der Treuhandanstalt privatisiert. Eine zunächst geplante Zusammenarbeit mit Steigenberger scheiterte, nachdem die Treuhand die vereinbarten Pachtverträge infrage gestellt hatte. Zeitweise betrieb auch Maritim mehrere ehemalige Interhotels. Im November 1991 verkaufte die Treuhand 28 Häuser an die Berliner Klingbeil-Gruppe, die später unter dem Namen Trigon-Gruppe firmierte. Wegen hoher Finanzierungskosten, notwendiger Sanierungen und offener Eigentumsfragen geriet das Unternehmen jedoch in Schwierigkeiten. 1995 übernahmen schließlich die Deutsche Bank und die Depfa Bank große Teile des verbliebenen Hotelportfolios.
Welche ehemaligen Interhotels gibt es heute noch?
Viele ehemalige Interhotels werden bis heute als Hotels genutzt, allerdings unter neuen Namen und internationalen Marken. Aus dem Hotel Stadt Berlin wurde beispielsweise das Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz, während das frühere Grand Hotel Berlin heute als The Westin Grand Berlin bekannt ist. Der Dresdner Hof wird als Hilton Dresden geführt, das Hotel Merkur als The Westin Leipzig und das Interhotel Potsdam als Mercure Hotel Potsdam City. Andere Gebäude erhielten neue Nutzungen, wurden geschlossen oder abgerissen. Für Städtereisende sind die erhaltenen Häuser interessante Zeugnisse der DDR-Architektur und Hotelgeschichte.
Staatliche Hotelkette der DDR
| Gegründet | 1. Januar 1965 |
|---|---|
| Hauptverwaltung | Interhotel der DDR, Friedrichstraße 150/153, 1080 Berlin (Hotel Metropol) Tel. 2204207 · 2204327 |
| Land | Deutsche Demokratische Republik (DDR) |
| Branche | Hotellerie und Tourismus |
| Eigentümer | Volkseigener Betrieb (VEB), staatliche Hotelkette der DDR |
| Hotelkategorien | 3 bis 5 Sterne |
| Zielgruppen | Ausländische Gäste, Geschäftsreisende, Devisenreisende, Diplomaten, FDGB-Urlauber |
| Mitarbeiter | Mehrere tausend Beschäftigte in Hotels und Verwaltung |
| Besonderheit | Wichtige Devisenquelle der DDR und Aushängeschild des sozialistischen Tourismus |
| Bekannte Hotels | Palasthotel Berlin Hotel Stadt Berlin Hotel Metropol Berlin Hotel Bellevue Dresden Hotel Merkur Leipzig Hotel Elephant Weimar Hotel Neptun Warnemünde Hotel Newa Dresden |
| Überwachung | Kontrolle und Beobachtung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) |
| Bedeutung | Unterbringung internationaler Gäste und Generierung von Deviseneinnahmen für die DDR |
| Ende der Hotelkette | 1990 im Zuge der deutschen Wiedervereinigung, anschließende Privatisierung der Hotels |
Quelle: Redaktion, aktualisiet am 11.07.2026
Autor: Frank Baranowski
Bilder: Redaktion, seoweit nicht anders angegeben