Das Panorama Museum in Bad Frankenhausen ist ein ungewöhnliches Ausflugsziel für Kunst und Geschichte. Werner Tübkes monumentales Rundgemälde führt mit mehr als 3.000 Figuren durch Bauernkrieg, gesellschaftlichen Umbruch und menschliche Widersprüche.
Werner Tübkes monumentales Rundgemälde verbindet Bauernkrieg, Kunst und menschliche Widersprüche
Im runden Bildsaal gibt es keinen festen Anfang und kein sichtbares Ende. Wohin der Blick auch fällt, stößt er auf Menschen: auf Bauern und Fürsten, Geistliche und Gelehrte, Narren, Landsknechte, Liebende und Sterbende. Mehr als 3.000 Figuren bevölkern Werner Tübkes Monumentalgemälde „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“.
Das Bild ist 14 Meter hoch und 123 Meter lang. Es umschließt den Raum vollständig. Wer versucht, alles auf einmal zu erfassen, verliert schnell die Orientierung. Einzelne Szenen treten hervor, verschwinden wieder und verbinden sich mit anderen. Gewalt steht neben ausgelassenem Treiben, Verzweiflung neben Hoffnung, Geburt neben Tod. Geschichte erscheint hier nicht als sauber geordnete Folge von Ereignissen, sondern als dichtes und widersprüchliches Geschehen.
Ein Auftrag mit politischem Hintergrund
Der Standort des Museums ist nicht zufällig gewählt. Auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen wurden im Mai 1525 die aufständischen Bauern vernichtend geschlagen. Die DDR-Regierung wollte an diesem Ort an den Bauernkrieg und an Thomas Müntzer erinnern. Werner Tübke erhielt 1976 den Auftrag für das Panoramabild. Bis 1987 beschäftigte ihn das Werk. Zwei Jahre später wurde der eigens errichtete Museumsbau eröffnet.
Tübke lieferte jedoch kein leicht lesbares Heldenbild. Statt den historischen Stoff in eine eindeutige politische Botschaft zu pressen, machte er daraus ein großes Welttheater. Seine Figuren wirken, als seien sie Gemälden und Kupferstichen des 15. und 16. Jahrhunderts entstiegen. Erinnerungen an Dürer, Cranach oder Bosch stellen sich ein. Die Malweise ist genau, beinahe kühl. Gleichzeitig bleibt vieles rätselhaft.
Geschichte als Kreislauf
Der Bauernkrieg bildet den historischen Hintergrund, doch das Gemälde reicht weit darüber hinaus. Es handelt von einer Gesellschaft im Umbruch, von alten Gewissheiten, die zerfallen, und von neuen Vorstellungen, die noch keinen festen Platz gefunden haben. Wissenschaft und Aberglaube, religiöse Hoffnung und nackte Gewalt existieren nebeneinander. Fortschritt erscheint nicht als gerader Weg, sondern als Bewegung voller Rückschläge. Tübke verstand Geschichte als einen Kreislauf. Menschen verändern ihre Werkzeuge, ihre Kleidung und ihre politischen Ordnungen. Ihre Leidenschaften bleiben. Macht, Angst, Liebe, Hass und die Hoffnung auf Erlösung kehren in immer neuen Formen wieder. Deshalb wirkt das Panorama nicht wie eine Illustration längst vergangener Ereignisse. Es stellt Fragen, die sich jeder Epoche neu stellen.
Mehr als die „Sixtina des Nordens“
Oft wird das Werk als „Sixtina des Nordens“ bezeichnet. Der Vergleich ist einprägsam, hilft aber nur bedingt. Tübkes Bild besitzt seine eigene, mitunter sperrige Größe. Es will weder bloßes Dekor noch einfache Geschichtsstunde sein. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt hinter der monumentalen Oberfläche zahlreiche kleine Beobachtungen: eine Geste am Rand, einen erschöpften Blick, eine groteske Maske oder eine Figur, die sich dem allgemeinen Tumult zu entziehen scheint. Führungen erleichtern den Einstieg in diese Bildwelt. Auch Audioguides gehören zum Angebot. Für Kinder gibt es eigene multimediale Rundgänge. Sie ersetzen das selbstständige Schauen nicht, bieten aber Orientierung in einem Werk, in dem auch bei wiederholten Besuchen neue Einzelheiten sichtbar werden.
Ein Museum der bildenden Künste
Das Panorama Museum beschränkt sich nicht auf Tübkes Hauptwerk. Wechselnde Ausstellungen widmen sich kunsthistorischen Themen und vor allem der internationalen figurativen Gegenwartskunst. Damit ist das Haus mehr als die Hülle für ein einzelnes Gemälde. Es bringt Tübkes Bildsprache mit jüngeren künstlerischen Positionen ins Gespräch. Im Blaubuch der Bundesregierung wird das Museum als kultureller Gedächtnisort von nationaler Bedeutung geführt. Seit 2011 gehört es außerdem zum Netzwerk der mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichneten „Stätten der Reformation“.
Ein Bild, das offenbleibt
Am Ende bleibt vor allem die Erfahrung eines Gemäldes, das sich nicht vollständig erklären lässt. Man verlässt den Rundbau mit einzelnen Szenen und Gesichtern im Gedächtnis, nicht mit einer fertigen Deutung. Vielleicht ist das die besondere Wirkung dieses Werkes. Es erzählt Geschichte, ohne sie zu vereinfachen.
Öffnungszeiten und Eintritt
Das Panorama Museum ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Am 24. Dezember bleibt es geschlossen. Am 31. Dezember öffnet das Museum von 10:00 bis 15:00 Uhr. Der Eintritt einschließlich Audioguide kostet derzeit 9,50 Euro für Erwachsene und ermäßigt 8,50 Euro. Kinder von sechs bis 16 Jahren zahlen 4 Euro. Eine Familienkarte kostet 24 Euro.
Anschrift und Kontakt
Panorama Museum
Am Schlachtberg 9
06567 Bad Frankenhausen
Telefon: +49 (0)34671 6190
E-Mail: info@panorama-museum.de
Quelle und Bild: Panorama Museum, aktualisiert am 15.08.2026