Das Bundesbüdchen, wo einst Politikgeschichte geschrieben wurde

Bonner Verkaufspavillon gegenüber dem neuen UN-Campus am Rhein neu belebt

(hoga-presse) An dem im Mai ins Bonner Bundesviertel zurückgekehrten „Bundesbüdchen“ werden ab Montag wieder Waren verkauft. Am Freitag, den 21. August 2020, fand pünktlich um 16.00 Uhr die offizielle Eröffnungsveranstaltung statt. Am Tresen des bundesweit bekannten Verkaufspavillons am Rand des Platzes der Vereinten Nationen wurde einst Politikgeschichte geschrieben. Dass der Kiosk heute wieder unweit des in den letzten Jahren baulich stark veränderten historischen Ortes an der Heussallee in Bonn gleich gegenüber dem neuen UN-Campus am Rhein steht, verdankt die Stadt insbesondere dem Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD).

Bundesbüdchen steht nicht nur wegen seiner Vergangenheit unter Denkmalschutz

Das Bundesbüdchen steht wegen seiner Gestalt und seiner parlamentarischen Vergangenheit unter Denkmalschutz. Zur Zeit der Bonner Republik war es inoffizieller Treffpunkt führender Politiker. Zahlreiche Spitzenpolitiker, Abgeordnete und Journalisten aus aller Welt zählten zu den Stammkunden.

Zuvor war Restauration erforderlich

Die in Bonn ansässige DSD förderte bereits 2003 Restaurierungsmaßnahmen am Bundesbüdchen und stellte 2013 als erste Mittel für den Rücktransport und die Sanierung des historischen Kleinods zur Verfügung, nachdem der Pavillon 2006 dem Bau des World Conference Centers Bonn hatte weichen müssen. Auf diese Weise konnte die DSD die Stadt immer wieder für den Erhalt des historischen Kleinods in die Pflicht nehmen und war für den damaligen Eigentümer Jürgen Rausch und später den Förderverein historischer Pavillon e.V. bei den Bemühungen um den Erhalt eine starke Stütze.

Auch bei den Gesprächen, die 2018 zur Bewilligung der Bezirksregierung Köln führten, 135.000 Euro für den Wiederaufbau des denkmalgeschützten Kiosks bereitzustellen, stand die DSD an der Seite Rauschs und des Vereinsvorsitzenden Peter Storsberg. Die Familie Rausch betrieb das Büdchen seit seiner Errichtung in direkter Nachbarschaft zum Bundestag 1957 bis zur Einlagerung 2006 durchgehend.

Der längsovale Pavillon typischer Bau der damaligen Zeit

Der Bau erhebt sich eingeschossig auf längsovalem Grundriss. Über einem gekachelten Brüstungsgesims umschließt ein hohes umlaufendes Fensterband mit zum Teil konvexer Verglasung das Büdchen. Parallel dazu umläuft eine Fensterbank die Glasscheibe, die als Theke fungiert. Ein weit ausschwingendes, der Bauform folgendes Flachdach schließt den Bau. Die elegant geschwungene Architektur mit ihrer starken Durchfensterung und der leichten Bedachung vereint viele Stilmerkmale der 1950er Jahre und macht den Pavillon zu einem typischen Bau dieser Zeit, als Pavillonbauten in Form von Zeitungskiosken oder Erfrischungs- und Trinkhallen eine Blüte erlebten. Seit vielen Jahren sind sie verschwunden oder im Bestand gefährdet.

Bundesbüdchen dank Spenden wieder zum Leben erweckt

Das Bundesbüdchen ist eines der über 470 Projekte, die die private DSD dank Spenden, der Erträge ihrer Treuhandstiftungen und der Mittel von WestLotto aus der Lotterie GlücksSpirale allein in Nordrhein-Westfalen fördern konnte.

Quelle und Bildquelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz vom 21.08.2020Das Bundesbüdchen 2006

Das Bundesbüdchen 2006, Hans Weingartz / CC BY-SA 2.0 DE, wikipedia

Über das Bundesbüdchen

Das Bundesbüdchen ist ein ovaler Kiosk, der ab 1957 im ehemaligen Regierungs- und heutigen Bundesviertel in Bonn zwischen dem damaligem Bundeskanzleramt, Bundesrat und Bundestag stand. Die Familie Rausch betrieb den Kiosk bis 2006 ohne Unterbrechung in zweiter Generation. Zu den Stammkunden zählten Spitzenpolitiker, Abgeordnete und Journalisten aus der ganzen Welt. Das Bundesbüdchen war einzigartiger Treff- und Kommunikationspunkt. Ein Kommunikationsort, wo in unverfänglicher Umgebung bei einem “Würstchen” Informationen ausgetauscht und Politikgeschichte geschrieben wurden.

Im Oktober 2006 wich das Bundesbüdchen dem geplanten neuen World Conference Center Bonn (WCCB). Es wurde komplett auf einen Tieflader verladen und nach Hersel transportiert. Der Pavillon lagerte, ohne weitere Beachtung finden, über Jahre in einem Bauhof ein. Der Standort des restaurierten Kiosks war lange Zeit in Diskussion. So wurde u. a. eine Aufstellung im Haus der Geschichte in Erwägung gezogen, bevor der jetzige Standort in der Nähe des historischen Standortes feststand.