Weitere Maßnahmen für den touristischen Mittelstand erforderlich
Weitere Maßnahmen für den touristischen Mittelstand erforderlich

TUI allein reicht nicht aus

Weitere finanzielle Mittel für die Branche gefordert

(hoga-presse) Die Bundesregierung hat das zweite Hilfspaket der TUI mit 1.2 Mrd. durchgewinkt und damit Europas größtem Reisekonzern erneut mit einem Staatskredit geholfen. „So gut diese Entscheidung für die gesamte Touristik auch sein mag, würden wir uns die gleiche Aufmerksamkeit, die die Bundesregierung den großen Konzernen schenkt, auch für den Mittelstand wünschen.“, äußert sich Jochen Szech, Präsident des Mittelstandsverbands asr – Allianz selbständiger Reiseunternehmen Bundesverband e.V.

„Die touristische Wirtschaft in Deutschland ist im Bereich der Reiseveranstalter und Reisebüros überwiegend mittelständisch geprägt. Trotz der bereits zur Verfügung gestellten Maßnahmenpakete der Bundesregierung sind noch immer eine ganze Reihe von Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft existenzbedroht, da die Programme für diese Unternehmen nicht greifen.“, kritisiert Szech weiter.

Szech warnt davor, dass bei vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen spätestens im Herbst dieses Jahres das Licht ausgehen könnte, wenn nicht für die gesamte Branche weitere Maßnahmenpakete zur Verfügung gestellt werden. „Aus unserer Erfahrung scheut die private Kreditwirtschaft selbst bei langjährig tätigen touristischen Betrieben die Risikoübernahme, auch wenn 90 Prozent des Kredits von der KfW abgedeckt werden. Viele unserer Mitglieder teilen uns mit, dass ihr Antrag auf einen KfW Kredit seitens ihrer Bank abgelehnt wurde.“, so Szech weiter.

Die Ungleichbehandlung der Marktteilnehmer führt zur Benachteiligung des Mittelstandes, der den größten Anteil der Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, und damit zu einer Wettbewerbsverzerrung in der Branche.

Wenn der Staat den Konzernen mit Milliardenbeträgen „unter die Arme greift“ und sich potente Anteilseigner dagegen vornehm zurückhalten, dann müssen solche Staatsanleihen zwingend an Bedingungen zur Verbesserung der Situation geknüpft sein. Szech weist in diesem Zusammenhang auch auf die Hilfen für die Lufthansa hin, die ebenfalls aus dem Staatssäckel neun Milliarden Euro erhielt, die Rückerstattung von Kundengeldern aber weiter nur schleppend bearbeite. Über 1,2 Millionen von rund 4,4 Millionen Anträgen seien immer noch nicht bearbeitet worden und Rückerstattungen sind in einem nennenswerten Umfang noch nicht erfolgt.

Auch hierunter leiden die mittelständischen Reiseunternehmen in erheblichem Maße, da sie ihren Kunden die Rückerstattung der abgesagten Reisen innerhalb von 14 Tagen zu leisten haben. Szech begrüßte in diesem Zusammenhang die Aktivitäten des Luftfahrtbundesamtes, das ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Kranich-Airline angestoßen hat. Auch ausländische Airlines sind dringend auf ihre zeitnahe Rückzahlungspflicht hinzuweisen.

Quelle: asr Bundesverband e.V. vom 14.08.2020
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